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Blogeintrag: Montag 11.01.2010
Der Fehlzeiten-Report 2009 (Badura, Schröder, Klose, Macco) sagt es deutlich: „Obwohl in den letzten Jahren ein Rückgang der Fehlzeiten aufgrund körperlicher Erkrankungen zu verzeichnen war, haben psychische Erkrankungen hingegen kontinuierlich zugenommen (S. 31)“. Dies gilt zumindest für die bei der AOK Versicherten.
Wenn ich meine persönlichen Erfahrungen aus dem Management- und Executive-Coaching daneben lege, dann stelle ich fest, dass die Frage wie ich mit einem psychisch erkrankten oder angeschlagenem Mitarbeiter umgehen soll, zunehmend häufiger als Führungssituation auftaucht.
Auf der Veranstaltung „Wettbewerbsvorteil Gesundheit BGM in Zeiten der Krise - Kür oder Pflicht“ des BKK Bundesverband GbR am 8./9.12. 2009 in Köln war häufig die Rede vom Vorbild Führungskraft und Unternehmenskultur, die entscheidend für den Erfolg von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagementes sind.
Für mich ergibt sich aus diesen drei Punkten mehr denn je daraus die Konsequenz, dass das Thema immer noch nicht ausreichend im Fokus der Bemühungen beim Thema BGM steht. Und dies, obwohl der Ansatzpunkt unter dem Stichwort Salutogenese sozusagen auf der Hand liegt. Was verbirgt sich dahinter?
Das Konzept der Salutogenese wurde geprägt vom israelisch-amerikanischen Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923–1994). Dieser wertete 1970 eine Erhebung über die Adaptation von Frauen verschiedener ethnischer Gruppen an die Menopause aus. Eine Gruppe davon war 1939 zwischen 16 und 25 Jahren alt gewesen und hatte sich zu dieser Zeit in einem NS- Konzentrationslager befunden. Ihre Gesundheit wurde mit der einer Kontrollgruppe verglichen. Der Anteil der gesunden Frauen betrug in der Kontrollgruppe 51%, im Vergleich zu 29% der KZ-Überlebenden. Nicht der Unterschied an sich, sondern die Tatsache, dass in der Gruppe der KZ-Überlebenden 29% der Frauen trotz der fürchterlichen Qualen eines Lagerlebens mit zusätzlichen Flüchtlingsdasein als körperlich und psychisch gesund beurteilt wurden, war für ihn ein erstaunliches Ergebnis.
Diese Beobachtung führte ihn zu der Frage, welche Eigenschaften und Ressourcen diesen Menschen geholfen hatten, ihre Gesundheit zu erhalten. So schuf Antonovsky im Gegensatz zum Pathogenesekonzept (Entstehen von Krankheiten) das Konzept der Salutogenese, der Entstehung von Gesundheit.
Als zentrale Komponente bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Gesundheit erkannte Antonovsky das Kohärenzgefühl. Dieses beinhaltet:
Gefühl der Verstehbarkeit: Die Fähigkeit, Umwelt so zu ordnen, und zu strukturieren, dass sie sinnvoll interpretiert werden kann.
Gefühl der Machbarkeit: Der Glaube und die Überzeugung, Situationen und Probleme aktiv bewältigen zu können.
Gefühl der Sinnhaftigkeit, d.h. etwas bewältigen zu wollen, weil es sinnvoll ist oder einen Sinn hat bzw. einen Sinn gibt
Als bedeutsamsten Bestandteil erkannte Antonovsky die Sinnhaftigkeit.
Welche Konsequenzen hat das also für die Führungskraft? Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, die das Entstehen von Kohärenzsinn beim MA begünstigen. Das bedeutet ganz konkret:
Die Führungskraft muss Entscheidungen verständlich kommunizieren, muss die Hintergründe und Zusammenhänge erläutern. (Übrigens werden unangenehme Entscheidungen von Mitarbeitern um vieles Besser akzeptiert, wenn sie das Warum kennen).
Die Führungskraft muss den Mitarbeitern gute Perspektiven geben und Zuversicht vermitteln. Nichts demotiviert so sehr, als das Gefühl, etwas nicht schaffen zu können.
Das Wichtigste ist aber: Geben Sie ihren Mitarbeitern Sinn! Stellen Sie die Tätigkeit in ein größeres Ganzes, stellen Sie Bezüge zu wichtigen Themen her. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Steinmetz denkt, dass er einen Stein nach dem anderen aus dem Felsen hauen muss, oder ob er sich bewusst macht, dass er einer der wenigen Menschen ist, die an einem wunderschönen Dom mitbauen dürfen!
zum vorherigen Blogeintrag vom 26.12.2009:
Sinn Diät
Stephan Teuber bloggt
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