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Blogeintrag: Dienstag 23.02.2010
Immer wieder erlebe ich in stark wachsenden mittelständischen Betrieben die Situation, dass nach immer mehr Regelungen, Regularien, detaillierteren Organigrammen, Aufgaben- und Funktionsbeschreibungen… gerufen oder sogar für diese gekämpft wird. Klarheit, Transparenz, Eindeutigkeit werden eingefordert und fast sehnsuchtsvoll der Tage gedacht, in denen noch alles überschaubar und auf direkten Zuruf machbar war.
Was ist da passiert? Das starke Wachstum wurde in der Regel durch ein ebensolches Wachstum an Komplexität begleitet! Und bei genauem Hinschauen ist es selbsterklärend, dass dem so sein muss:
Alleine um die steigenden Mengen zu produzieren wird das Lieferantennetzwerk größer.
Durch die Mitnahme von Skaleneffekten (die sich bei einer solchen Menge überhaupt erst zu gewinnen anbieten) wird die Fertigungstiefe teilweise verringert, was die Lieferantenanzahl wiederum vergrößert.
Teile der höheren Mengen werden durch Variantenvielfalt der Produkte erkauft.
Dieses Wachstum nach Außen wird im Inneren durch eine zunehmende Spezialisierung aufgefangen, wodurch auch intern Komplexität erhöht wird.
Steigende Quantität geht in der Regel mit einer Erhöhung der Mitarbeiterzahl daher, was die Anzahl der Kontaktstellen (früher: Schnittstellen) im Work-Flow auch nicht verringert.
Meine Erfahrung, nur wenn ich im Innersten akzeptieren kann, dass es eine Situation des klassischen „Sowohl-als-auch“ ist, habe ich eine Chance als Führungskraft weiterhin wirkungsvoll zu sein. Ich muss mir klar machen, „ja“ es gibt weiterhin Linienstrukturen, die „leider“ nicht mehr die volle Verantwortung tragen. „Ja“ es gibt Projektleiter, die als Führungskräfte auf Zeit gelten, „nein“ ich kann von Ihnen – insbesondere ohne gezielte Qualifizierung – nicht erwarten, dass sie automatisch das gleiche Standvermögen haben, wie Linienmanager, die diese Funktion seit Jahren leben.
Der Lösungsversuch wird mit Einführung von Projektmanagement gestartet. Dies ist sicherlich richtig gedacht Und es wird auch noch daran gedacht, dass die Einführung eines neuen Instrumentariums auch neue Qualifikationen erfordert. Im Rahmen solcher Qualifikationsreihen für Projektmanagement bekommen wir dann auch den Kontakt zu diesen Betrieben. Doch dann fängt die eigentliche Arbeit erst an. Neue Handlungsweisen wie der Werkzeugkasten des Projektmanagements erfordern auch neue innere Einstellungen des Mitarbeiters zu diesem Handwerkszeug. Und was noch viel wichtiger ist, auch neue innere Einstellungen der Führungskraft ist für den Erfolg dieses Changes unerlässlich. Und hier wird es dann richtig spannend. Gelingt es mir als Führungskraft Vertrauen in die Projektstruktur aufzubauen und diese bei hoher Selbstständigkeit des Arbeitens gleichzeitig angemessen zu kontrollieren? Was sind meine Werkzeuge, um auf ein Projekt einzuwirken, wenn ich nicht mehr den direkten Zugriff in der Linie habe?
Letztendlich habe ich dazu beizutragen, dass eine Unternehmens- und Führungskultur entsteht, die diese Gleichzeitigkeit von Linien- und Projektstruktur selbstverständlich lebt und fördert. Die deutlich macht, dass ich zwar strategische Ziele planen und ansteuern kann, dass aber das Ansteuern selbst eher mit dem Surfen vergleichbar ist. Das Ziel ist im Blick, die Wahl des exakten Kurses ergibt sich aus dem immer wieder zu aktualisierenden Stand von Windrichtung, Wellengang und ….
Natürlich erfordert diese Kunst des Surfens eine eigene Qualifikation. Hier taugen die klassischen, auf Linienfunktion ausgerichteten, Qualifikationsinhalte nicht mehr wirklich, sondern andere Inhalte sind gefordert. Doch dies auszuführen wäre bereits ein weiterer Beitrag für diesen Blog.
Wer sich für Details der aktuellen Entwicklung im Thema Projektmanagement interessiert: Hays hat gerade fast 300 Entscheider aus Unternehmen und mittelständischen Betrieben im deutschsprachigen Raum befragt und eine interessante Studie dazu veröffentlicht.
Mehr auf der Homepage von Hays (www.hays.de)
zum vorherigen Blogeintrag vom 18.02.2010:
Einblick in die Unternehmerseele
Stephan Teuber bloggt
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