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Blogeintrag: Montag, 07.06.2010
Ein Mandant im Coaching rief mich verunsichert an. Sind Vorbilder in der Führung passe? Muss ich mich überhaupt noch anstrengen für meine Mitarbeiter ein Vorbild zu sein? War das jetzt alles vergebene Liebesmühe?
Was war der Hintergrund? Reinhard K. Sprenger, den ich aufgrund seiner Veröffentlichungen wie „Mythos Motivation“ oder „Prinzip Selbstverantwortung“ sehr schätze hat im managermagazin 5/2010 ein Kolumne mit den Titel „Vorbild a.D.“ veröffentlicht. Darin beklagt er die Moralisierung des Managements, dass nicht mehr zwischen Rolle und Authentizität unterschieden würde. Er nennt das Bestreben von Führungskräften Vorbilder zu sein „Verführung der Ichblähung“ und er stellt die These auf, dass Vorbilder automatisch Nachbilder und Nachahmer erzeugten. Seine Kernthese: „Eine auf Vorbilder gebaute Unternehmenskultur schafft unbeabsichtigt Abhängigkeit und unterzuständige Mitarbeiter, die ihr Ichzentrum nach außen verlegt haben. ´Nachmachen!´ denunziert die Mitarbeiter zu tumben Toren, die anders offensichtlich nicht zu mobilisieren sind.“
Genau im letzten Satz liegt der Fehlschluss Sprengers! Wenn wir von Vorbildern und Unternehmenskultur sprechen und daraus zu Recht als Anforderungen an Führungskräfte definieren, dann ist mit Vorbild eben genau nicht Blaupause gemeint, die zu einem Abklatsch auf Verhaltensebene einlädt. Da sollte Sprenger eher von Dressur reden.
Wenn es um Vorbilder geht, die wir auch in den Betrieben dringend brauchen, dann geht es um die Ebene, die Vorbilder gemeinhin auszeichnet. Es ist die Ebene der Werte und Einstellungen aufgrund derer diese zu bestimmten Handlungen kommen. Es geht genau um diese einzigartige und von einem Vorbild individuell gefüllte Reflexion, was nun in einer bestimmten Situation aufgrund der Werte und Einstellungen, derer man sich selbst verpflichtet fühlt zu tun und eben nicht zu tun ist.
Und in dieser Schlussfolgerung scheint Sprenger zuzustimmen, wenn er die These aufstellt: „Gute Führungskräfte unterstützen (…) die Besonderheit des Einzelnen. Und dieses Einzigartige, dieses Individuelle, das gilt es zu kapitalisieren.“ Schade, dass Sprenger eine solch in die Irre führende Grundthese anführt, um genau das zu fordern, was guten Vorbildern immant ist – durch das eigene Beispiel respektvoll die Entwicklung des Gegenübers zu fördern.
In diesem Sinne, Ihr Stephan TeuberZum vorherigen Blogeintrag vom 30.04.2010:
Weisheit im Alter
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