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Blogeintrag: Montag, 13.09.2010
Im Loquenz Team hatten wir diese Woche eine Diskussion über das Phänomen „Präsentismus“. Meine Kollegin Daniela Himmelreich (siehe hierzu auch Profile der Berater/-innen) hat mir dazu ein Statement zukommen lassen, welches ich Ihnen nicht vorenthalten will. Hier ist es:
„Bei Befragungen in Unternehmen ziehen wir häufig Stichproben aus zwei Orgaeinheiten, (1) mit hohen Abwesenheitszeiten und (2) mit geringen Abwesenheitszeiten, um mögliche Erfolgsfaktoren (Arbeitszeitgestaltung, Tätigkeits-spielräume, Führungs- und Teamverhalten) herauszuarbeiten.
Dabei erleben wir oft, dass die Einheiten mit geringen Abwesenheitszeiten nicht weniger unzufrieden sind als die mit hohen Abwesenheitszeiten. Was steckt dahinter? Qualifikation, Tätigkeitsspielräume spielen eine große Rolle, die auch damit verbunden sind, dass der Bereich mit hoher Anwesenheit die höheren Fluktuationswerte hat, weil die MA besser qualifiziert sind und dadurch mehr Möglichkeiten am Arbeitsmarkt haben. D.h. dort tritt für kurze Zeit Präsentismus auf, dann sind die Kollegen aber weg und wechseln die Firma. Im anderen Fall haben sie nicht die Möglichkeit zu wechseln und aus Präsentismus wird krankheitsbedingte Abwesenheit (in der Regel von längerer Dauer).
Präsentismus begegnet uns auch als Folge kultureller Eigenheiten, die entscheidend durch das Führungsverhalten geprägt werden. Es gibt Unternehmensbereiche und -kulturen, wo das Arbeiten bzw. das „Anwesend sein“ bis spät in den Abend hinein „Hip“ ist und als Zeichen für Engagement gilt. Ob dem wirklich so ist, wird nicht immer hinterfragt. Dies wird häufig dann zum Problem, wenn in „jüngeren“ Unternehmen/Abteilungen das Durchschnittsalter steigt, die KollegInnen in eine neue Lebensphase eintreten (z.B. Familiengründung, Pflege) und diesen ungeschriebenen Gesetzen nicht weiter Folge leisten können. Daraus ergeben sich Konflikte und Unruhe in der entsprechenden Einheit, nicht selten mit gravierenden Folgen für Gesundheit und Engagement einiger MitarbeiterInnen.
Insgesamt sind das Phänomen „Präsentismus“ und dessen Ursachen also sehr vielfältig: Angst vor dem Arbeitsplatzverlust ist eine Ursache, die andere (m.E. genauso wichtige) ist die soziale und persönliche Komponente: „Ich kann mein Team nicht hängen lassen“ und „ohne mich läuft hier nichts“ (ausgeprägtes Verantwortungsgefühl). Es geht nicht ohne genaues Hinschauen, d.h. bestehende MA-Befragungen müssen mit Blick auf die Thematik ausgewertet oder eine neue Analyse (z.B. der WPAI – s.u.) durchgeführt werden.“
Da bleibt mir nur die Einladung an Sie: Lassen Sie uns über Ihre An-/Abwesenheitswerte gemeinsam in die Diskussion gehen!
Zum vorherigen Blogeintrag vom 14.06.2010:
Mut zur Auszeit
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