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Blogeintrag: Montag, 28.02.2011
Mehrere tausend Teilnehmer trafen sich vergangenes Wochenende in Nürnberg zum Kongress christlicher Führungskräfte (Führungskräftekongress). Unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“ war das Bedürfnis nach Orientierung und Ausrichtung für das eigene Führungsverhalten in allen Veranstaltungen spürbar. Und der Großteil der Teilnehmenden und Vortragenden bemühte sich, genau dieses Ziel einzulösen. Das Ergebnis waren zahlreiche kleine Antworten i.S. von „das ist richtig“ bzw. „das ist falsch“.
Mich hat das Ganze sehr gewundert. Warum? „Mit Werten in Führung gehen“ würde für mich bedeuten, Werte als Orientierungspunkte für das eigene Führungshandeln anzusehen; dem aufgefordert sein, Führung in jeder Situation wieder neu erfinden zu müssen, nachzukommen. Und nicht der Sehnsucht nach dem Rezept, das für alle kritischen Führungssituationen tauglich zu schein sein, anheim zu fallen.
Interessant fand ich auch, wie stark diese Sehnsucht nach eindeutiger Orientierung und klaren Antworten in der Sprache auf den Podien transparent wurde. Ein fragwürdiges Highlight dabei war sicherlich Andreas Malessa, der als Moderator im Rahmen einer Podiumsdiskussion um das Thema der aktuellen Familienpolitik das Wort vom „Tyrannenthron“ benutzte. Man muss als eine Einschätzung ernst nehmen, dass die Mehrzahl der Teilnehmer/-innen der These, dass unsere derzeitige Familienpolitik als eine „linke Familienpolitik“ zu sehen ist, mit kräftigem Applaus zustimmten. Die Politiker, die diese Politik derzeit verantworten (also Angela Merkel und ihr Kabinett) als auf dem Tyrannenthron sitzend zu bezeichnen (was kräftigen Applaus bekam) und sich selbst als das tyrannisierte Volk der Gerechten zu verstehen – bei dieser apodiktischen Sprache erreicht mein Verständnis für diese Position eine Grenze.
Wenn dieser Kongress als der Kongress christlicher Führungskräfte akzeptiert werden sollte, dann wäre anstelle unnötiger Konfrontation und Abgrenzung eher von Integration/Inklusion und einer Vision der christlichen Botschaft die Rede. Wenn der Anspruch erhoben wird, den Beitrag der Bibel für den eigenen Führungsalltag herauszuschälen, dann würde es um Transferfragen der Grundideen gehen, anstelle der Übernahme von scheinbaren Patentrezepten. Und schließlich: wenn die Begabung der Teilnehmenden als intelligente Geschöpfe Gottes ernst genommen werden würde, dann bestünde der Kongress nicht nur aus Podien und Referentenpulten und zuhörenden Teilnehmer/-innen sondern die Veranstalter würde es wagen, mit den Teilnehmer/-innen direkt ins Gespräch zu kommen. Dialogische Kongressformen wie world cafe, future search conference… sind ja in der Zwischenzeit bekannt genug. Etwa mehr Mut würde man den Veranstaltern an dieser Stelle gerne wünchen.
Zum vorherigen Blogeintrag vom 25.02.2011:
Personalentwicklung wird wieder wichtiger
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