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Blogeintrag: Dienstag, 16.08.2011
Viele stöhnen über bürokratische Abläufe, zentralistische Strukturen, rüde Umgangsformen, fehlende Flexibilität und mangelnde Entscheidungsfreiheit“ so ein Bericht der Financial Times Deutschland vom 16.8.2011.
Aus der Perspektive von Antonovsky und seinem Ansatz der Salutogenese stecken in der Klage auch schon die Lösungsideen. Ausgehend von der Frage, was Menschen gesund erhält entdeckte er als entscheidenden Faktor das Kohärenzgefühl, also die Frage nach der subjektiv empfundenen Stimmigkeit zwischen Anforderungen an mich und dem Ausmaß, in welchem ich meine vorhandenen Ressourcen zur Bewältigung dieser Anforderungen und damit zur Aufrechterhaltung/Förderung meiner Gesundheit aktivieren kann. Gelingt dies, dann erlebe ich die (Arbeits-)Welt und deren Anforderungen an mich als zusammenhängend und sinnvoll.
Entscheidend beeinflusst wird dieses Kohärenzgefühl von drei Faktoren:
1. Gefühl von Verstehbarkeit (sense of comprehensibility)
2. Gefühl von Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit (sense of manageability)
3. Gefühl von Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit (sense of meaningfulness)
Die im Artikel der FTD zitierten Klagen deuten genau das nicht ausreichende Vorhandensein dieser drei Faktoren bei der Deutschen Bahn an.
1. Verstehen die Mitarbeiter/-innen den Nutzen der als bürokratisch empfunden Abläufe und der zentralen Strukturen? Hier ist z.B. daran zu denken, wie viel Wert auf die Nutzenargumentation unpopulärer Abläufe nach innen gelegt wird – oder ist nach wie vor gefordert, Zentralismus einfach zu akzeptieren?
2. Haben die Mitarbeiter/-innen die Chance, mit der eingeschränkten Entscheidungsfreiheit umzugehen? Was ist für die Mitarbeiter/-innen die Alternative zur empfundenen eingeschränkten Entscheidungsfreiheit? Womit kann dies aus der Perspektive der Mitarbeiter/-innen kompensiert werden?
3. Nehme ich als Mitarbeiter/-in überhaupt meinen Beitrag zum Gelingen des Ganzen wahr? Oder bin ich nur ein Rädchen, das formal anwesend sein muss, sonst verlässt z.B. der Zug den Bahnhof nicht?
Für mich ist es hochspannend, wie transparent sich die Deutsche Bahn AG diesen Fragen stellt. Im Moment wird die Transparenz noch sehr im Ungefähren belassen. Meines Erachtens ist das kein zukunftsträchtiges Modell. Mitarbeiter/-innen werden in Zukunft noch mehr Transparenz und Einflussmöglichkeiten einfordern – sonst wird ein anderer Arbeitgeber der Arbeitgeber ihrer Wahl werden. Und im Rahmen unserer demographischen Entwicklung ist der Zeitpunkt absehbar, wann sich diese Wahlmöglichkeit auch für die Mitarbeiter/-innen der Bahn ergeben wird.
Zum vorherigen Blogeintrag vom 27.07.2011:
Arbeitsinhalte müssen befriedigen
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