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Blogeintrag: Freitag, 16.09.2011
„Atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Erspüren Sie, was Ihr Inneres zu Ihnen spricht. Welche Gedanken haben Sie besonders angesprochen?... und damit nun viel Erfolg!“ – Ungewohnt, diese abschließenden Zeilen des Buches von Friedhelm Boschert: „sich selbst führen. Und dann die anderen. Anregungen für Manager“; seines Zeichens Vorstands-vorsitzender einer internationalen Bankengruppe mit Sitz in Wien.
Mich hat das Buch von Anfang an fasziniert. Nicht nur, dass es liebevoll gesetzt ist, der Umschlag mit Sorgfalt gestaltet und die Lackierung des Umschlages passend auf den Inhalt abgestimmt; sondern es ist der fesselnde Inhalt, der den Leser das Buch kaum noch zur Seite legen lässt. Jetzt mag man erwarten, dass Boschert einen neuen Management-Hype ausruft oder die Revitalisierung der soft skills predigt. Doch nein, völlig unprätenziös spricht er mit dem Leser (und ich bin mir die ganze Lektüre über tatsächlich eher als in einem Gespräch befindlich als auf 190 Seiten Lektüre vorgekommen) über „Haltung“. Genauer gesagt die „innere Haltung“ und „äußere Haltung“ die aus der Reflexion im Feld von „Ich“ und „Selbst“ entsteht. Und mit Reflexion meint er „nicht nachdenken, sondern nachspüren!“.
Als Hilfestellung zu dieser Form der Reflexion skizzziert er vier Schritte:
Die Haltungen, der ich durch Reflexion sozusagen auf die Spur kommen kann, füllt Boschert inhaltlich mit fünf Grundhaltungen, über die eine Führungskraft verfügen muss. Dies sind für ihn - aus seiner Führungs- und Management-erfahrung im Kontext von Banken heraus:
„Jede dieser Haltungen hat eine Entsprechung nach innen und außen. Die äußere wird allerdings durch die innere bestimmt. Oder wie das im ZEN heißt: ´Die Haltung der äußeren Form ist der Ausdruck der inneren Form´(Hinnerk Polenski).“ (Boschert, S. 131).
Die ZEN-Praxis, über die der Autor verfügt, ist dem Buch in jeder Zeile anzumerken. Doch kommt diese keinesfalls esoterisch, vergeistig oder abgehoben rüber. Nein, man merkt dem Autor an, dass er die Bodenhaftung, die er sicherlich bereits in seiner Jugend in Bad Peterstal im Schwarzwald kennengelernt hat, mit in die Welt des Managements zu nehmen vermag. ZEN ist für ihn dabei das Hilfsmittel, das ihn persönlich unterstützt, aber sicherlich nicht der einzig seeligmachende Heilsweg!
Zentral ist ihm vielmehr die persönliche Auseinandersetzung des Lesers mit seinen reflektierenden Fragen, klaren Thesen und praxisnahen Beispielen. Hier gelingt es ihm, den Leser in einen Prozess mit sich selbst einzuladen, der ihm Hilfestellung geben mag, ein Stück weit der eigenen Haltung auf die Spur und näher zu kommen. Im vollen Bewusstsein, dass dieser Weg ein lebenslang andauernder sein mag.
Was mich zusätzlich fasziniert und den nach Wissen strebenden Teil meines Intellekts sehr befriedigt hat ist die Art und Weise, wie Boschert gezielt Erkenntnisse aus der neueren, v.a. amerikanischen Managementliteratur, beinahe beiläufig mit einfließen lässt. Er bietet diese Zitate auf eine Art und Weise an, dass das Literaturverzeichnis in Gefahr ist, zu einer Bestellliste für meinen nächsten Gang zur Buchhandlung zu werden. Nicht umsonst tituliert er es mit „Was Sie außerdem noch lesen könnten…“
Was bleibt nach der Lektüre von „sich selbst führen. und dann die anderen.“ noch zu sagen? Unbedingt selbst lesen – mit genügend Zeit zum Nachspüren, Wirken lassen, das eigene Innere ansprechen lassen.
Zum vorherigen Blogeintrag vom 05.09.2011:
Perspektive 2020. Wird alles anders sein?
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