Führungsprinzip Wertschätzung: Mitarbeiter begeistern, motivieren und binden

Führungsprinzip Wertschätzung: Mitarbeiter begeistern, motivieren und binden

von Thorsten Rabenbauer

Wertschätzung? Das Führungsrepertoire erweitern

Thorsten Rabenbauers Buch über Wertschätzung entstand durch den Wunsch seiner Seminarteilnehmer, das auf der „Tonspur“ in seinen Seminaren gesagte auch nachlesen zu können. Als langjähriger Trainer und Berater hat er viel schon viel erlebt und gesehen. Mein Eindruck: Diese „Tonspur“ scheint sehr reichhaltig zu sein!

Facettenreiche Auswahl zum Thema Führung

Ein erster Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, der Autor hat den Ehrgeiz möglichst viele Facetten, die das Thema Führung betreffen, zu integrieren. Angefangen von Mindset, Werten, Empathie und Identifikation über Teams, Teamentwicklung, Rollen wie Manager und Leader, dem Riemann-Thomann-Kreuz und Motivation bis hin zu Themen wie Konflikte, Demografie, Humor und Kultur. Aus meiner Sicht auf den Punkt kommt Rabenbauer am Ende mit dem Kapitel „Führungsselbstverständnis entwickeln“. Arbeitsblätter und „Gedanken und Fragmente“ schließen das Buch ab.

Die Breite des Inhaltes hat mich bezüglich des Titels enttäuscht. Ich hatte mir v.a. das Thema Wertschätzung erwartet und habe ein Buch zum Thema Führung bekommen. Auf der anderen Seite: die Anregungen zum Thema Führung unter den im Inhaltsverzeichnis dargestellten Facetten enthalten immer wieder Impulse, die mich persönlich anregen und in meinem Führungsalltag weiterbringen. Allein das Zitat von Wolfgang von Goethe: „Wer die Menschen behandelt wie sie sind, macht sie schlechter. Wer sie aber behandelt wie sie sein könnten, macht sie besser“ (S. 18) regt an, über das eigene Führungsverhalten nachzudenken. Führe ich meine Mitarbeiter/-innen Richtung Potenzialentfaltung? Als Unternehmensberater begegnet mir in den Betrieben immer wieder die Grundhaltung, bei Mitarbeitern/-innen die Defizite zu identifizieren und diese „aufzutrainieren“. Von dem möglichen Potenzial her zu führen ist eher ungewohnt.

Auch der Abschnitt über Trennung als Wertschätzung ist ungeheuer inspirierend. Die Empfehlung von Rabenbauer: „Trennen Sie sich konsequent von Mitarbeitern, die bereits innerlich gekündigt haben! Auch das ist Wertschätzung!“ (S. 68). Natürlich erst nachdem ich diesem/-r Mitarbeiter/-in eine zweite, dritte oder auch vierte Chance auf Verhaltensänderung gegeben habe.

Eher „begeistern, motivieren und binden“ und Wertschätzung als Grundhaltung

Ob der Bezug auf Tuckman das entscheidende Modell für den Umgang mit Teams sein mag, sei dahingestellt. Leider fehlt hier auch der Bezug zum Thema Wertschätzung. Obwohl natürlich das Nachdenken über Entwicklungsphasen im Team immer sinnvoll ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Abschnitt über das Drei-Zonen-Modell (Komfortzone, Stretchzone, Panikzone).
Ja, es mag gut sein darüber Bescheid zu wissen. Doch unter dem Titel Wertschätzung? Ebenso bei der Antreiberanalyse.

Vielleicht sollte man das Werk auch einfach unter dem Titel „Mitarbeiter begeistern, motivieren und binden“ (so der Untertitel des Buches) lesen. Dann wäre Wertschätzung schlicht eine Grundhaltung, die den Umgang und das Anleiten von Mitarbeitern erleichtert. Ob es wirklich darum gehen kann, Mitarbeiter zu binden? Doch das wäre eine extra Ausführung wert. Nur kurz angedeutet: Mein Überzeugung: der Betrieb oder die Organisation kann für Mitarbeiter/-innen attraktiv und anziehend sein. Doch eine „Bindung“ als Ziel würde ich keinem Unternehmer oder Führungskraft empfehlen, da Bindung zu statisch ist und im Sprachbild das Vermeiden von Dynamik enthält.

Mein Fazit

Man liest viele interessante Facetten zum Thema Führung, aber Wertschätzung hätte ich mir noch stärker im Fokus gewünscht.