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Sie stehen nicht im Rampenlicht, verzichten zum Teil bewusst auf Aufstieg und wollen „nur“ ihren Job erledigen. Weder wollen sie an die Spitze der Unternehmenshierarchie steigen, noch sind sie bereit, jederzeit überall hinzugehen. Viele leitende Manager sind enttäuscht von ihren Mitarbeitern und vermissen ihre Motivation und ihren Ehrgeiz. Während Firmenchefs die jungen, karriereorientierten Star-Akteure umwerben, bleiben die Mitarbeiter der „zweiten Reihe“ scheinbar regungslos im Hintergrund.
10 Prozent der Mitarbeiter in einem Unternehmen rechnet man zu den Stars der Firma, den Spitzenkräften. 80 Prozent zählen zur „zweiten Reihe“. Sie erledigen ihre Arbeit gewissenhaft und gut, fallen insgesamt im Betrieb aber nicht auf. 10 Prozent sind diejenigen, die nur mit Mühe den Leistungen gerecht werden. Das bescheidene Verhalten der „zweiten Reihe“ scheint aus Sicht der Vorgesetzten schwer verständlich. Warum fehlt diesen 80 Prozent der Ehrgeiz zum Aufstieg? Weshalb ergreifen sie nicht die Chancen, die sich ihnen bieten?
Ohne Frage tragen Spitzenkräfte durch ihr Engagement und ihre Visionen bedeutend zum Unternehmensergebnis bei. Im Glanz der Stars wird die grundlegende Rolle der Nebenakteure jedoch häufig unterschätzt: Die vermeintliche Schwäche der „zweiten Reihe“ entpuppt sich bei näherem Hinsehen als heimliche Stärke. Sie bringen durch ihre zuverlässige Arbeit Beständigkeit in das Unternehmen. In der Regel wechseln sie seltener als die Spitzenkräfte ihre Stelle und haben durch ihre gute Leistung recht gesicherte Positionen. Dadurch bilden sie ein Gegengewicht zu den charismatischen Stars, deren Ambitionen im Extremfall in Fahrlässigkeit und Sprunghaftigkeit ausarten können. Nebenakteure stabilisieren die Stars und bewahren durch ihre Kontinuität das Unternehmen sowohl im Alltagsgeschäft als auch in Krisenzeiten vor Übertreibungen mit ungewissen Folgen. Ihre zum Teil langjährige Erfahrung gewinnt gerade in Krisen einen unschätzbaren Wert, da sie wissen, wie das Unternehmen früher überlebt hat, dadurch gelassen weiterarbeiten und den Betrieb am Laufen halten.
Gerade diese Gelassenheit wird oft falsch ausgelegt. Leitende Manager gehen davon aus, dass alle Menschen so sind wie sie: Jeder will sein Äußerstes für das berufliche Fortkommen geben. Nebenakteure denken anders. Obwohl sie gute Arbeit leisten, hängen sie dies nicht an die große Glocke. Sie legen oft eine große Bedeutung auf die Ausgewogenheit von Arbeit und Freizeit und ihnen ist es wichtig, Zeit für Familie und Freunde zu haben. Zwar bemühen sie sich gelegentlich um berufliches Fortkommen, jedoch nicht zu jedem Preis.
Nebenakteure kann man in der Regel einem der folgenden vier Charaktere zuordnen (vgl. Harvard Business Manager 9/2003):Der Typ des geheilten Stars hat sich irgendwann aus bestimmten persönlichen Gründen entschieden, die Überholspur zu verlassen. Er schraubt seinen Ehrgeiz herunter, um nicht mehr ständig unter Hochspannung zu stehen. Für Unternehmen sind ehemalige Stars besonders wertvoll, weil sie erfahren sind und häufig weiterhin hervorragende Leistungen erbringen. Die zweite Gruppe bilden die Wahrheitsliebenden. Sie legen ein großes Streben nach Ehrlichkeit und Realitätsnähe an den Tag. Meist sind sie als Fachleute mehr an ihrer Arbeit als an Karriere interessiert. Sie haben daher den Mut, andere mit kritischen Fragen zu konfrontieren und sprechen auch unangenehme Wahrheiten aus. Einen weitere wichtige Gruppe stellen die Ratgeber dar. Manchmal verfügen sie nur über zweitklassige funktionale Fähigkeiten, entwickeln durch dieses Defizit aber ein außerordentlich feines Gespür für Prozesse und Normen ihres Unternehmens. Sie werden häufig zu Ansprechpartnern bei internen Fragen und stellen Kontakte her. Die übrigen Nebenakteure werden als Mittelmaßkräfte bezeichnet, denn sie denken im Vergleich zu den oben beschriebenen nicht unternehmerisch und meiden Risiken. Auch wenn sie nie ihre eigene Meinung äußern, so liegt ihnen das Wohl der Firma oft sehr am Herzen. Dadurch werden sie zu wichtigen Mitarbeitern, die dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft. Anerkennung für die „zweite Reihe“ Die Nebenakteure im Unternehmen brauchen Förderung und Anerkennung. Wenn sie nicht immer wieder zu guter Leistung ermutigt werden, sinkt ihre Motivation und ihr Engagement. Sie bekommen das Gefühl, dass ihre Leistung als selbstverständlich hingenommen wird. Im schlimmsten Fall werden fähige Mitarbeiter durch Desinteresse und Arroganz vertrieben. Wer seinen Mitarbeitern Aufmerksamkeit schenkt, bekommt auch ihre Ambitionen und Fähigkeiten mit. In Meetings zur Karriereplanung geraten oft die aus dem Blickfeld, die ihre Anliegen nicht lautstark artikulieren. Wer seine Mitarbeiter kennt, weiß am Besten, wer bei einer Beförderung der Richtige ist.
In einem Unternehmen sind beide Gruppen gefragt: Einerseits die visionären Stars, die neue Ideen und Bewegung bringen, andererseits die „zweite Reihe“, die durch ihre zuverlässige Arbeit die Hauptakteure stützt und stabilisiert. Die Einen sind ohne die Anderen nicht denkbar. Schließlich kann (und will) nicht jeder ein Star sein! Führungskräfte sollten versuchen, auch die Mitarbeiter der „zweiten Reihe“ im gleichen Maß zu fördern, denn Nebenakteure sind häufig das sichere Fundament, das ein Unternehmen in Krisenzeiten rettet.
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