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Daniela Himmelreich

Stolperstein Change Kommunikation - Wenn es um mehr geht als über Neuerungen zu informieren

von Daniela Himmelreich | 04.08.2007

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Ihnen ist das Phänomen sicher bekannt: Der Veränderungsprozess gerät ins Stocken! Selten am Anfang, sondern dann, wenn die Unternehmensführung sich bereits auf der sicheren Seite wähnt und alles gut angelaufen ist: Der Veränderungsdruck ist erkannt und akzeptiert, die Vision steht und die Führungsriege ist im viel zitierten Boot. Nun gilt es die Basis für das Projekt zu gewinnen! An dieser Stelle wäre es fatal davon auszugehen, dass das Projekt ob der bereits gewonnenen Meriten zum Selbstläufer wird. Hier gilt es nun einige Aspekte zu beachten: unter anderem individuelle Verarbeitungsschemata und vor allem muss die „Information buchstäblich begreifbar gemacht werden“... – damit die alles entscheidende Basis auch mitzieht! „Die Vision des Wandels kommunizieren“, so formuliert John P. Kotter (1996) eine der entscheidenden Change-Stufen, was nicht bedeutet, dass sich die Kommunikationsleistung im Rahmen eines erfolgreichen Change Management darauf beschränken sollte. Das Empowerment der Mitarbeiterschaft oder die Konsolidierung und dauerhafte Verankerung der Neuerungen in einer Unternehmenskultur bleiben ohne adäquate Kommunikationsleistung leider bloße Utopie.

Mitmacher, Zauderer und Neinsager

Welche Projektgruppe oder Unternehmensführung wünschte sich nicht, dass das Gros der Mitarbeiter/-innen aus begeisterten Mitmachern besteht? Doch häufig ist die Change-Bereitschaft der Mitarbeiter/-innen einigermaßen abgenutzt bzw. nur in geringem Maße vorhanden. Insgesamt sind – was die Change Bereitschaft angeht – die Zauderer in der überwältigenden Mehrheit. Die Sichtweise der Mitarbeiter/-innen kann in der Form einer Normalverteilung abgebildet werden, wenige Personen in den extremen Positionen und viele Zauderer im großen „Bauch“ der Verteilung (Przybylski, 2007). Gleich unentschlossenen Wählen bei Bundestagswahlen werden sie sowohl von Neinsagern als auch von Mitmachern gleichermaßen umgarnt und unterliegen Beeinflussungsversuchen. Insofern müssen die kommunikativen Aktivitäten im Rahmen eines Change Prozesses vor allem auf die „Zögernden und Zaudernden“ abzielen, damit für eine klare Mehrheit gesorgt ist!

Bei diesem Überzeugungsprozess müssen insbesondere die Projektverantwortlichen das Heft in der Hand halten und die Kommunikation aktiv gestalten, anstatt die Argumente der Gegner und Nein-Sager nur reaktiv zu entkräften. Die Führungsriege ist hier in Sachen Commitment, Überzeugungsarbeit und vor allem Dialogbereitschaft sehr gefragt.

Individuelle Verarbeitung von Veränderung

Jeder – so auch insbesondere die große Masse der zaudernden Mitarbeiter/-innen - unterliegt in hohem Maße den folgenden psychologischen Phasen eines Veränderungsprozesses, deren Nutzen und Wert zu jedem Zeitpunkt anzuerkennen ist, wenn die Leute erfolgreich für das Projekt begeistert werden sollen:

  • Verunsicherung / Verarbeitung
  • Erwartung / Hoffnung / Skepsis
  • Commitment

Werden diese Phasen in ihrer zeitlichen Abfolge nicht berücksichtigt, sind verstärkte Widerstände sowie mehr Frust und Verunsicherung vorprogrammiert. Daher sind folgende Grundhaltungen im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Neuerungen sinnvoll:

  • Veränderungen brauchen Zeit
  • Jede der Verarbeitungsphasen ist sinnvoll
  • Positive Einstellungen und Haltungen unterstützen: „Wer wagt, gewinnt!“, „Veränderung bietet die Chance, Dinge besser anzugehen.“
  • Ziele in kleine Abschnitte unterteilen

In jeder Phase dominieren andere Kommunikationsprinzipien und damit auch Kommunikationsinstrumente. In der folgenden Tabelle sind beispielhaft sowohl Prinzipien als auch Instrumente zusammengefasst:




Phasen Dominierende Kommunikationsprinzipien Bevorzugte Kommunikationsinstrumente
Verunsicherung Einwegkommunikation, Struktur für weiteren Einführungsprozess geben, „Telling“ Info-Kampagnen über Pocket-Führer, Mitarbeiterzeitungen, Intranet
Verarbeitung Rahmen für emotionale Einwände schaffen und aufgreifen, Feedbackelemente Direkte Kommunikation, in den internen Medien, Emotionales aufgreifen
Erwartung, Hoffnung, Skepsis Im direkten Kontakt bleiben, Nutzenargumentation einsetzen, „Selling“ Direkte personalisierte Kommunikation, in den Medien argumentieren, Ergebnisse vermarkten
Akzeptanz, Commitment Perspektiven klären, klare Vereinbarungen treffen Externale Verstärkung durch Massenkommunikation

Führungskräfte sind Vorbilder

In der Regel ist der Ruf der Mitarbeiter/-innen nach mehr Info meist ein Ruf nach Einbeziehung und Dialog: „Wichtige Aufgabe einer Führungskraft ist die Beobachtung und der Dialog mit den Mitarbeitern. Tatsächlich leiden wir meist nicht an einem Informationsdefizit. Im Gegenteil, viele Mitarbeiter reden von einer Informationsüberflutung. Fehlend und viel entscheidender ist der Austausch untereinander und die Auseinandersetzung miteinander“ (Przybylski, 2007). Insofern kommt den Führungskräften eine wichtige Orientierungs- und Vorbildfunktion zu: Ihnen obliegt es, Informationen richtig weiterzugeben, zu argumentieren und Einwänden erfolgreich zu begegnen. Sie müssen daher in der Lage sein oder in die Lage versetzt werden, diese Orientierungsfunktion gegenüber der zögerlichen Mitarbeiterschaft wahrzunehmen. Die interne Personalentwicklung und externe Experten können hier durch adäquate Führungskräfteentwicklung die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Als Instrumente haben sich vor allem Coachings und Trainings etabliert.

Um die Verarbeitungsleistung der Mitarbeiter/-innen zu unterstützen braucht es natürlich auch und vor allem direkte Kommunikation: Hier wird richtig katalysiert, das Mitarbeiterfeedback integriert, um zu überzeugen und zu motivieren. Im Projektverlauf muss je nach Stimmungsstatus nachgesteuert werden und nicht zuletzt dient die direkte Kommunikation der Erfolgskontrolle der bisherigen Informations- und Kommunikationsleistung.

Kaskaden in Change KommunikationKaskaden Kommunikation Bottom-Up

Das wichtigste für den Start ist…

die Gewissheit der Verantwortlichen, dass eine offene, klare und ehrliche Information und Kommunikation bereits zu Projektbeginn einsetzen sollte. Je eher, desto geringer die Kollateralschäden durch Angst, Verunsicherung und Lähmung, die das Unternehmen schwächen. Kommunikation kommt oft zu spät. Daher lieber einmal unvollständig aber zeitnah kommunzieren als es ganz sein zu lassen. Denn: … es geht um mehr als nur über Neuerungen zu informieren. Es geht darum Veränderungen als Chance begreifbar zu machen. Um möglichst viele Zauderer und auch Nein-Sager zu integrieren, damit sie ihre Chance nutzen!

 




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