Kulturveränderung im Unternehmen

Kulturveränderung im Unternehmen

Die verborgene Führungsdisziplin von Klaus Eckrich.

Kulturveränderung ist aufwendig

Prof. Dr. Klaus Eckrich geht das Thema Kulturveränderung in Unternehmen und Organisationen grundlegend an. Vielleicht etwas zu grundlegend für seine Zielgruppe der Führungskräfte, doch verspricht er nicht einfach nur Tipps zur Kulturveränderung, sondern möchte mit seinem Werk „Führungskräften helfen, das Handlungsfeld (Kulturveränderung, S.T.) für die eigenen Ziele besser zu erschließen und die gewonnenen Einsichten im Unternehmen umzusetzen“ (S. 6). Er hat eher Entscheidungshilfen als eine Ratgeberfunktion im Sinn.

Hilfe für Führungskräfte mit zahlreichen Details

Wie geht der Autor vor? Auf den ersten 60 Seiten skizziert er Kulturkompetenz in ihrer Themenbreite und räumt mit Missverständnissen und Irrtümern zum Thema auf. Ein Beispiel: „Intuitive Kulturgestaltung ist ein Erfolgsrezept, aber auch ein Konzept der ungenutzten Verbesserungspotenziale“ (S. 59). Und diese Verbesserungspotenziale zu heben ist für Eckrich die Aufforderung an die Führungskräfte! Seine Roadmap hin zur Kulturveränderung:

  1. Für Commitment sorgen
  2. Die gelebte Kultur evaluieren
  3. Den Kulturanspruch definieren
  4. Die „Moments of Truth“ bestehen
  5. Führung, Fallstricke und Frustursachen

Dieser Roadmap sind die anschließenden 320 Seiten gewidmet. Der Umfang mag manchen Leser abschrecken – auch ich stelle mir die Frage, ob es nicht kürzer möglich gewesen wäre. Mit der Zielgruppe Führungskräfte könnte ich mir einen knapperen Schreibstil als sinnvoll vorstellen…. Auf der anderen Seite hat dieser Umfang den Vorteil, dass sich genügend Platz für wirklich wertvolle Hinweise findet. Z.B. die Argumentation für Kostenrechner. In der Regel wird immer darauf geschaut, welche Investitionen für eine Kulturveränderung entstehen. Was jedoch zu wenig im Blick ist: Welche Kosten entstehen, wenn sich nichts verändert? Und das sind nicht nur Kosten, die sich in Geld, Produktivität, Qualität, Termintreue u.v.m. bemessen lassen, sondern auch in Fehlzeiten sowie Arbeitgeberattraktivität.

Führungsverhalten und Change Management

In den letzten beiden Kapiteln nimmt der Autor das konkrete Führungsverhalten in den Blick. Hier geht es um die Vorbildwirkung der Führungskraft, die Rolle von Sanktionen, Zusammenarbeit mit dem Personalmanagement, Führen im Change Management, Leadership und Management sowie ähnlichen Themen.
Die Stichworte sind bei Führung sicherlich alle wichtig, doch hat sich mir nicht erschlossen, warum er bei den 27 Seiten über Change Management gerade auf das Change-House-Modell, die Trauerkurve und Kurt Lewin eingeht. Das Thema Change Management ist damit kaum angerissen und auch das letzte Kapitel mit der eher reißerischen Zwischenüberschrift „Wo positives Denken in der Sackgasse führt“ und seine Empfehlung darauf, paradoxe Interventionen zu nutzen, stellt nur einen kleinen Ausschnitt möglicher Handlungsweisen dar. Hier hätten sich in Anlehnung an die Arbeiten von Martin E. P. Seligman noch zahlreiche weitere Hinweise angeboten. Doch taucht Seligman leider auch nicht in den Literaturhinweisen auf.

Kritische Würdigung

Mein Resümée: Kulturveränderung in Unternehmen ist ein sehr umfangreiches Werk, das viel Richtiges enthält und zur ausführlichen Reflexion der eigenen Handlungsweise zum Thema Kulturveränderung einlädt, aber auch ein paar Kritikpunkte aufkommen lässt.
Für Unternehmensberater, der zweiten Zielgruppe des Buches, ist die Fülle hilfreich. In Bezug auf Führungskräfte hätte ich es mir deutlich kompakter und fokussierter auf das Thema Kultur gewünscht und die Abschnitte über Change Management oder allgemeine Führungsprinzipien und –verhalten vielleicht durch entsprechende Literaturhinweise ersetzt.
Für alle, die gerne den eigenen roten Faden beim Lesen entwickeln: Lesenswert!

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