Work-Flow mit Zetteln visualisieren – und mehr: Kanban

Work-Flow mit Zetteln visualisieren – und mehr: Kanban

von Florian Eisenberg

Häufig wird bei Kanban angemerkt: „Das ist doch das mit den vielen bunten Post-its“. Ja, das kann eine Form der Visualisierung sein. Kanban ist aber mehr. Es geht v.a. um den möglichst eleganten Fluss der Arbeitspakete. Das und mehr beschreibt Florian Eisenberg – ein erfahrener Informatiker und Berater mit diesem Buch auf unterhaltsame Weise in Form einer amerikanischen Businessstory.

Kanban am Offensichtlichen ansetzen

Worum geht es? Der Protagonist Jan stellt fest, dass sich seine Kollegen im Team redlich bemühen, ihre Überstundenkonten in Anspruch nehmen und die Tickets doch nur mit etlicher Verspätung in mangelhafter Qualität bearbeitet werden können. Als er wieder einmal verspätet und erschöpft zuhause ankommt, kommt das Gespräch mit Anja, seiner Frau, auf Kanban, mit der sie in ihrer Firma sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Nach einigen weiteren Leidenstagen greif Jan die Idee mit Kanban auf und fängt diese an Schritt für Schritt in seiner Firma umzusetzen. Letztendlich rettet ihn der Effekt von Kanban vor einer Kündigung während der Probezeit.

Der erste Ansatzpunkt von Jan sind die auffälligen Staus. Sein Thema: die Arbeit in Fluss zu bringen. Das Grundprinzip dazu: Blockaden wegsprengen. Gottseidank kreuzen auch Hinweise zur Einführung von Kanban Jans Weg, sodass er vorerst von zu gewalttätigen Aktionen absieht, sondern die Optimierung als organischen Schritt-für-Schritt Prozess angeht. Immer mit der Grundhaltung, etwas auszuprobieren, den Effekt zu messen und danach zu entscheiden, wie der nächste Optimierungsschritt aussehen kann.

Technik ist das eine – die Grundhaltung entscheidet

Inspirierend zu lesen sind die Selbstgespräche von Jan. Wie er über vermeintliche Blockaden reflektiert, mit seinem Drang nach unmittelbarem Eingreifen auf Mitarbeiterebene umgeht oder die Geduld, die er benötigt, um tatsächlich die Ergebnisse von Optimierungsideen im Prozess abzuwarten.

Deutlich wird, dass Kanban v.a. eine Herausforderung für die Führungskräfte darstellt. Die Grundhaltung, den Prozess direkt beeinflussen zu können, wird enttäuscht; stattdessen geht es eher darum, den Arbeitsrahmen so zu halten, dass die Mitarbeiter/-innen möglichst ungestört ihrer Tätigkeit nachgehen können. Und genau dadurch werden die Arbeitsergebnisse qualitativ und bezüglich Durchlaufzeiten recht zügig positiv beeinflusst!

Meine Haltung als Führungskraft ist insofern eher mit der eines Schäfers zu vergleichen. Wo jedes Schaf der Herde sich genau hinbewegt, was genau es frisst und mit welchem Schaf es die Nähe sucht, all das habe ich als Schäfer nicht im Blick. Sehr wohl aber den Rahmen, in dem sich meine Herde bewegt:

  • Gibt es Dinge, die meine Herde gefährden könnten?
  • In welche Richtung bewegen wir uns?
  • Wo tauchen mögliche Kollisionen am Horizont auf?

Genau diese Fragestellungen fand ich sehr inspirierend.

Kritische Würdigung

Wer eine Einführung in Kanban fast in Form eines Romans sucht, ist mit diesem Buch gut aufgehoben.

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