ZDF statt ARD

ZDF statt ARD

Boris Palmer: Erst die Fakten, dann die Moral

In unserem Unternehmen haben wir einen Slogan: ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) statt ARD (Alle reden darüber). Da war es für mich klar, dass ich das Buch unseres Oberbürgermeisters unbedingt lesen musste.

Die Beschreibung der Wirklichkeit ist schwer

Für Kurt Schumacher beginnt die Politik mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Daran orientiert sich Palmer und beschreibt in zehn Kapiteln zehn Themen, die ihm am Herzen liegen. Angefangen vom bezahlbaren Wohnraum über Energiewende und Sicherheit bis hin zum Klimawandel.

Beim Betrachten der Wirklichkeit macht es sich Palmer nicht leicht. Man merkt der ausführlichen Faktendarstellung an, dass er sich in die Themen fachkundig eingearbeitet hat, bevor er sich eine Meinung zum Themengebiet erlaubt. Klar ist es für den Leser schwer festzustellen, ob die Themen auch wirklich faktenorientiert von ihm dargestellt sind. Im Zweifel bietet er aber genügend weiterführende Hinweise, um sich selbst in die Faktenlage vertiefen zu können.

Fakten und dann?

Spannend finde ich den Schritt, was nach der Faktendarstellung folgt. Hier beschreibt Palmer immer wieder sein persönliches Erleben. Mit welcher Wut er sich z.B. mit Tierversuchsgegnern konfrontiert sah, sodass eine Verständigung über die Faktenlage überhaupt nicht mehr möglich war.

Für mich ist dies ein wichtiger Punkt: Wie gelingt es uns im gesellschaftlichen Diskurs, den Raum für Verständigung zu bewahren? Nur wenn es in Diskussionen möglich ist, eine Situation beschreiben und darauf aufbauend bewerten zu können und dies in einem Gesprächsklima, bei dem meine Gegenüber auch tatsächlich Interesse daran hat, meine Beschreibung und Bewertung zu verstehen bzw. nachzuvollziehen, können wir gemeinsam tragfähige Lösungen finden.

Als Tübinger Bürger und Leser unserer Lokalzeitung wird mir bei der Lektüre von Leserbriefen als Reaktion auf Stellungnahmen von Palmer als Tübinger Oberbürgermeister immer wieder deutlich, wie schwierig und aufwändig dieser Weg ist – und trotzdem unverzichtbar. Boris Palmer bleibt an diesem Thema mit einer gewissen Hartnäckigkeit und „schwäbischem Sturschädel“ dran. Da erzeugt nicht nur Harmonie, scheint mir aber notwendig zu sein.

Insofern: die Lektüre lohnt sich, auch wenn man nicht alle seine Positionen teilt.

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