30.05.2017

Marchtaler Gespräche zur Wirtschaftsethik

In Zukunft wertvoll wirtschaften – Marchtaler Gespräche, veranstaltet durch das Studienkolleg Obermarchtal

Erste Marchtaler Gespräche:

Wie gehen Profitabilität und Verantwortung innerhalb wirtschaftlichen Handelns zusammen? Wie können beide, finanzieller Gewinn und soziale Verantwortung, gleichberechtigt existieren? Kann Solidarität den Rahmen für wertvolles Wirtschaften schaffen? Um dieses wirtschaftsethische Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, wurde auch der BKU zur Diskussion der ersten Marchtaler Gespräche eingeladen. Ich durfte den Themenkreis 3 „Welche Verantwortungen ergeben sich aus der christlichen Gesellschaftslehre? Welche Konsequenzen folgen daraus für christliche Unternehmer in ihrem wirtschaftlichen Handeln?“ gestalten.

 

Die Fragestellungen der Schülerinnen und Schüler dazu lauteten u.a.:

  • Was ist der Unterschied zwischen christlichem und nicht christlichem Wirtschaften?
  • Sind Wirtschaft und Ethik Gegensätze?
  • Wie kann unsere Ethik im globalen Handel bestehen?
  • Ist das christliche Handeln automatisch das wirtschaftlich schlechtere Handeln?
  • Wofür gibt es den BKU?
  • Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?

 

Solche Fragestellungen fordern geradezu heraus, ausgehend von der katholischen Soziallehre unseren Bund Katholischer Unternehmer darzustellen und an Beispielen zu beschreiben, dass es letztendlich nicht die richtige Lösung für eine bestimmte betriebliche Situation geben mag, sondern dass wir die Unschärfe und Widersprüchlichkeit unseres Handelns und Entscheiden aushalten lernen müssen; und wie wir dazu in unserem Glauben die Kraft dazu finden. Bereits beim ersten Schritt „Was bedeutet es, dass wir Mitarbeiter/-innen nicht nur als betriebliche Funktionsträger, sondern als Personen i.S. von Gott beseelte Geschöpfe, die ihren je eigenen Lebensauftrag zu erfüllen haben, sehen?“ waren die Schüler/-innen voll Aufmerksamkeit dabei. Gehen wir von diesem Personbegriff (Personalitätsprinzip) aus, dann ergibt sich das Unternehmen als Gemeinschaft von Personen, die am gemeinsamen Unternehmenszweck ausgerichtet, ihre ureigenste Berufung leben. Dazu gilt es den Rahmen zu gestalten, dass dies durch die jeweilige Person auch gefüllt werden kann (Subsidaritätsprinzip), immer mit dem Blick auf die Situationen, in der dies der jeweiligen Person nicht möglich ist (Solidaritätsprinzip). Das Ganze nicht mit der höchsten Priorität auf individuelle Optimierung der Lebenssituation, sondern mit dem Blick auf die Gemeinschaft aller (Gemeinwohlprinzip). Im Blick auf das Gemeinwohlprinzip sind Themen wie Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit… inkludiert.

 

Spannend fand ich die Atmosphäre, als wir reflektiert haben, was es bedeutet, wenn ich mein Gegenüber als von Gott beseeltes Geschöpf wahrnehme – der Blick in die Schüleraugen sprach für sich.

 

Mir hat der Tag Mut gemacht, weiterhin Wirtschaft gerne mitzugestalten. Die Zukunft saß in Gestalt der Schülerschaft sprichwörtlich vor uns und war neugierig und motiviert an dieser Zukunft mitzuwirken.

 

Zum pädagogischen Konzept des Studienkollegs gehört „im Horizont der Globalisierung die interreligiöse und interkulturelle Begegnung ebenso wie die Wissenschafts- und Wirtschaftsethik:

  • Um zu einem eigenen Standpunkt und zur eigenen „Identität“ zu finden, setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem christlichen Glauben und anderen Religionen und Weltanschauungen auseinander.
  • Das Studienkolleg Obermarchtal fühlt sich in besonderer Weise der Forderung des II. Vatikanischen Konzils verpflichtet, an katholischen Schulen ´einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist´.“

Das war an diesem Tag spürbar. Die Marchtaler Gespräche waren eine tolle Erfahrung. Danke für die Möglichkeit mitzuwirken! (Stephan Teuber)


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