Von Scrum bis New Work: Managementmoden in der Sozialen Arbeit: Eine kritische Analyse von Führungs- und Organisationstrends von Stefan Gesmann und Julian Löhe (2025)

Managementmoden in der Sozialen Arbeit: gut dargestellt und kritisch eingeordnet

Darstellungen aktueller Managementmethoden gibt es viele – von Scrum und Reinventing Organizations über New Work und Self-Leadership bis hin zu Kollegialer Führung, Ambidextrie oder systemischem Management; manches davon ist inzwischen eher Buzzword als Orientierung.

Das Verdienst des Herausgeberduos liegt vor allem in zwei Punkten. Erstens gelingt eine knappe, gut verständliche Darstellung – mit dem spezifischen Blick auf die Soziale Arbeit. Zweitens werden Chancen und Risiken der Ansätze kritisch abgewogen. Insofern eine klare Leseempfehlung – besonders für Führungskräfte und Geschäftsführungen im sozialen Kontext.

Mit besonderem Gewinn habe ich das abschließende Kapitel gelesen: Anforderungen an Leitungskräfte. Darin skizzieren die Herausgeber fünf Themenfelder, die in keiner Führungskräfteentwicklung fehlen sollten:

  1. Die Gratwanderung zwischen Offenheit und Ignoranz.
  2. Das Balancieren zwischen den Polen organisationaler Paradoxien.
  3. Die Rolle von Leitungskräften als Übersetzer:innen zwischen unterschiedlichen Systemlogiken.
  4. Die Notwendigkeit, auch die mit Moden verbundenen Lösungsprobleme im Blick zu behalten.
  5. Managementmoden evolutionär statt revolutionär in die Organisation einzuführen.

Managementmoden – was ist damit gemeint?

Bei der ersten Lektüre hat mich der Begriff der Managementmode deutlich irritiert. Die Herausgeber verstehen in Anlehnung an Stefan Kühl darunter „allgemein geteilte Vorstellungen (…) wie Unternehmen – und damit auch Organisationen der Sozialen Arbeit (…) besser organisiert werden können“. Dagegen ist erst einmal wenig einzuwenden.

Dem Verständnis, dass Managementmoden suggerieren würden, „dass durch die Einführung neuer Gestaltungsprinzipien die Anpassungs-, Leistungs- und Innovationsfähigkeit erhöht werden“ können, würde ich so nicht folgen – vor allem nicht dem Begriff der Suggestion.

Viel spannender fand ich die Beschreibung der Funktionen, die Managementmoden erfüllen:

  1. Moden bedienen das Bedürfnis nach Verbindung und Unterscheidung.
  2. Managementmoden helfen bei der Bewältigung von Kontingenz.
  3. Managementmoden entlasten.
  4. Moden helfen beim Aufhübschen der Schauseite.
  5. Moden rücken bis dato Abgedunkeltes ins rechte Licht.

Selbst wenn ich den Begriff „Mode“ ablehnen würde, müsste ich mit meinem Führungsteam klären, wie wir diese Funktionen, die in Organisationen offenbar gefragt sind, angemessen bedienen – und wie wir mit den Bedürfnissen umgehen, die hinter solchen Moden stehen.

Fazit: Gerade die kritische Grundhaltung gegenüber Managementmoden lädt Führungskräfte zur Selbstreflexion ein. Das ist für mich Anlass, das Buch Führungskräften, mit denen ich im Austausch bin, gezielt zugänglich zu machen.

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