Gemeinsame Mittagspause im Team – gute Gelegenheit oder lästig Pflichtübung?

Im Erfahrungsaustausch mit Führungskräften kommt dieses Thema immer wieder einmal auf: Soll ich forcieren, dass wir die Mittagspause im Team gemeinsam verbringen? Oder auch: Für mich als Führungskraft ist die gemeinsame Mittagspause mit meinem Team eher eine Pflichtübung. Wie kann ich mich davon frei machen?

Was dann in den Führungswerkstätten folgt, ist meist ein engagiertes Pro und Contra. Für mich ein guter Anlass, das Thema einmal im Überblick zu betrachten.

Wenn die gemeinsame Mittagspause eine Pflichtübung ist: Hände weg!

Für mich ist der entscheidende Punkt bei der Frage nach der gemeinsamen Pausengestaltung im Team, ob ich als Führungskraft Lust darauf habe. Bin ich neugierig darauf, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch von ihrer privaten Seite näher kennenzulernen? Oder gefällt es mir einfach, meine Mittagspause in Gesellschaft zu verbringen?

Manche Führungskräfte benötigen die Mittagspause häufig für sich selbst. Sie nutzen sie zum Beispiel, um zu entspannen oder sich aktiv zu bewegen. Sollten Sie feststellen, dass Sie sich dieser Gruppe von Führungskräften zugehörig fühlen, dann sollten Sie sich durch die nachfolgenden Überlegungen nicht genötigt fühlen, gegen Ihre innere Natur zu handeln.

Aber vielleicht gelingt es mir, Sie zu etwas häufigeren gemeinsamen Mittagspausen zu verführen. Sie merken: Ich bin ein großer Verfechter dieser gemeinsamen Zeit und genieße sie jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit dazu habe.

Vorteile gemeinsamer Mittagspausen

1. Stärkerer Teamzusammenhalt

Die informellen Gespräche beim Mittagessen tragen dazu bei, Vertrauen aufzubauen. Ich kann meine Kolleginnen und Kollegen besser einschätzen, wenn ich mitbekomme, was sie privat bewegt oder welchen Belastungen sie gerade ausgesetzt sind.

Das kann dazu beitragen, dass Konflikte seltener entstehen oder sich zumindest leichter thematisieren und klären lassen.

2. Bessere Kommunikation im Arbeitsalltag

Das gemeinsame Essen und die dabei stattfindenden Gespräche können dazu beitragen, Hürden zwischen Abteilungen abzubauen. Manchmal fließen in der Zeit zwischen den einzelnen Bissen Informationen schneller und unkomplizierter als im sachlichen Arbeitsalltag.

Tipps, Erfahrungen und Ideen werden häufig beiläufig geteilt. Teilweise findet dabei ein Lernen ohne formellen Rahmen statt.

Doch Achtung: Achten Sie darauf, dass das gemeinsame Mittagessen nicht zu einer klassischen Besprechung verkommt.

3. Höhere Motivation und Produktivität

Indem ich als Führungskraft auch im etwas privateren Rahmen der Mittagspause den Kontakt mit meinen Mitarbeitenden suche, fühlen sie sich wertgeschätzt. Insbesondere dann, wenn ich auch selbst ins Risiko gehe und mich mit meiner privaten Seite zeige.

Zudem signalisiere ich durch die gemeinsame Pause deutlich, dass mir Erholung wichtig ist. Und klar: Eine gute Erholung in der Mittagspause steigert die Konzentration am Nachmittag.

4. Arbeitgeberattraktivität

Für neue Mitarbeitende bieten solche eher informellen Runden eine gute Gelegenheit, sowohl die Kolleginnen und Kollegen als auch die Führungskräfte kennenzulernen. Die Art des Austausches beim Mittagessen lässt auch den Umgangsstil und die Unternehmenskultur deutlich werden.

Diese positive Unternehmenskultur wirkt sich in der Regel auch auf das Employer Branding aus und fördert die Bindung von Fachkräften.

5. Frühwarnsystem für Probleme

Schließlich sind gemeinsam verbrachte Essenspausen für Führungskräfte eine gute Möglichkeit, Stimmungen und Herausforderungen schneller mitzubekommen. Im Zweifelsfall habe ich so die Chance, Probleme früh zu erkennen und Lösungsansätze zu überlegen.

Mögliche Nachteile gemeinsamer Mittagspausen

Achtung: So schön es für Einzelne sein mag, die Mittagspause jeden Tag gemeinsam zu verbringen, so können sich daraus auch Nachteile ergeben.

Für Führungskräfte kann dies ein möglicher Zeitverlust durch längere Pausen oder Gespräche sein. Hier sollten Führungskräfte im persönlichen Zeitmanagement so ehrlich zu sich selbst sein, dass sie nur die Zeit investieren, die sie sich auch gut herausnehmen können.

Außerdem besteht die Gefahr von Grüppchenbildung nach dem Motto: „Das sind die, die immer zusammenglucken.“ Oder auch: „Will ich wirklich zu denen gehören, die extra darauf achten, mit dem Chef oder der Chefin die Pause zu verbringen?“

Für eher introvertierte Mitarbeitende kann sogar Stress entstehen. Für sie ist die allein oder mit wenigen Kolleginnen beziehungsweise Kollegen verbrachte Pause vielleicht genau der Ort, an dem sie für den Nachmittag regenerieren.

Das eventuell entstehende Gefühl, teilnehmen zu müssen, kann von solchen Mitarbeitenden auch als unangemessener sozialer Druck empfunden werden. Indem immer wieder einmal die Freiwilligkeit betont wird, kann diesem möglichen Druck gut vorgebeugt werden.

Zusätzlich kann ich als Führungskraft darauf hinwirken, dass verschiedene Formate entstehen können: ruhig, aktiv, gemeinsames Essen oder ein Spaziergang. Häufig genügt dafür schon ein kleiner Anstupser.

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Sie mit dem Thema gemeinsame Mittagspause gemacht haben.

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