Mitgestalten statt abarbeiten: Wie gute Arbeit heute entsteht

In meinen Beratungsprozessen sehe ich immer wieder dasselbe: Die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändert sich sehr schnell. Viele Organisationsstrukturen – und damit Mitarbeitende und Führungskräfte – tun sich schwer, mit dieser Veränderungsgeschwindigkeit Schritt zu halten.

Nicht nur Aufgaben abarbeiten, sondern Arbeit aktiv mitgestalten

Hinter diesen Veränderungen steckt ein grundlegender Wandel: Menschen wollen heute nicht mehr nur Aufgaben erledigen, sondern ihre Arbeit aktiv mitgestalten.

Genau hier setzen zwei Forschungsrichtungen an, die Bakker & Slemp (2026) in einer Studie beleuchten: Job Crafting und Playful Work Design. Beide Ansätze zeigen, wie Mitarbeitende sich ihre Arbeit proaktiv aneignen können – und so engagierter, kreativer und gesünder bleiben.

Job Crafting: Wenn Mitarbeitende ihre Rolle selbst gestalten

Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: Job Crafting wirkt. Und zwar auf mehreren Ebenen:

  • höheres Arbeitsengagement
  • höhere Zufriedenheit
  • bessere Leistung
  • geringere Kündigungsabsicht
  • weniger erlebte Belastung

Besonders wirksam sind die sogenannten Annäherungsformen des Job Crafting. Gemeint ist alles, was Ressourcen aufbaut, neue Herausforderungen sucht oder die eigene Wirksamkeit stärkt.

Vermeidungsformen – etwa Anforderungen zu reduzieren – zeigen dagegen schwächere Effekte. Sie können punktuell entlasten, stärken aber selten nachhaltig.

Job-Crafting-Training und Führung wirken

Strukturierte Job-Crafting-Trainings erhöhen sowohl das Engagement als auch die Leistung der Mitarbeitenden. Führung spielt dabei eine zentrale Rolle. Empowering Leadership, transformationale Führung oder „Autonomie-Unterstützung“ helfen Führungskräften, Räume zu schaffen, in denen Job Crafting möglich wird.

Literaturhinweis zu Job Crafting: https://www.loquenz.de/job-crafting-mit-hilfe-positiver-psychologie.
Und warum Job Crafting eine passende Ergänzung zum klassischen Ansatz des Job Fittings ist: https://www.loquenz.de/job-crafting-foerdert-leistung-und-zufriedenheit.

Playful Work Design: Mehr Leichtigkeit, mehr Energie

Während Job Crafting an der Struktur der Arbeit ansetzt, richtet Playful Work Design den Blick auf die Erlebnisqualität einzelner Aufgaben. Mitarbeitende verändern dabei nicht, was sie tun, sondern wie sie es tun.

Zum Beispiel, indem sie Freude, Fantasie, Neugier oder eine spielerische Wettbewerbskomponente in eine Aufgabe einbauen. Diese auf den ersten Blick unspektakulären Ansätze zeigen laut aktueller Forschung beeindruckende Effekte. Dazu gehören:

  • höheres tägliches Engagement
  • mehr Kreativität
  • mehr positive Emotionen
  • bessere Leistung

Playful Work Design als Puffer gegen negative Effekte

Interessant ist auch: Playful Work Design kann negative Effekte von Langeweile, Stress und Belastung abpuffern. Davon profitieren besonders Menschen, die weniger gewissenhaft sind.

Warum ist das so? Weil so ein hilfreicher Rahmen entsteht, um Aufgaben auf eine motivierende Weise anzugehen.

Zwei Wege – ein Ziel: Arbeit, die stärkt

Das Fazit der Forschenden: Arbeit wird produktiver und gesünder, wenn Menschen sie mitgestalten dürfen. Job Crafting hat das Potenzial, Strukturen zu verändern und Ressourcen zu heben. Playful Work Design verändert das Erleben einzelner Aufgaben.

Zusammen sind Job Crafting und Playful Work Design ein starkes Duo für:

  • mehr Engagement
  • mehr Kreativität
  • mehr Leistung
  • ein deutlich spürbares Plus an Sinn und Energie im Arbeitsalltag

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis ganz schlicht: Die Zukunft der Arbeit entsteht nicht im Organigramm – sie entsteht dort, wo Mitarbeitende aktiv werden dürfen.

PS: Herzlichen Dank an die Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie für ihr uPPdate 02/26 (Nr. 2) und den Hinweis auf die Studie: Bakker, A. B., & Slemp, G. R. (2026). Advancing research on job crafting and playful work design. Journal of Business and Psychology!

Aktuelle Beiträge

Weitere Themen

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns!

Nach oben scrollen