Sich selbst klar wahrnehmen – um als Führungskraft kraftvoll zu wirken
Das Zitat von Karl Valentin: „Heute mache ich mir eine Freude und besuche mich selbst. Hoffentlich bin ich daheim.“ lässt sich nicht genau datieren; Karl Valentin selbst lebte von 1882 bis 1948. Und doch ist er für mich ein möglicher Impulsgeber für Führungskräfte. Im Führungskontext ist es ‚eigentlich klar‘: Es geht nicht um den maximalen Einsatz; vielmehr geht es um die tatsächliche Wirkung, die ich mit meinen Mitarbeitenden (Team, Abteilung, Geschäftsbereich) beim Kunden bzw. im Markt erziele.
Fokus auf Effizienzsteigerung im Führungsverhalten?
In fast jeder Führungswerkstatt, die ich in Unternehmen und Organisationen begleiten darf, taucht als Dauerthema die Frage auf, wie ich möglichst effizient eine höhere Führungswirkung erzeugen kann. Erfahrungen zeigen: Mit dieser Herangehensweise sind oft Optimierungseffekte von rund 30 % möglich. Es lohnt sich also, täglich an kleinen Optimierungsschritten zu arbeiten.
Lernerfahrungen aus Fehlern – wenn Fehler zu Helfern werden
Die Frage, ob Fehler auch als Helfer verstanden werden können, ist mehr als nur ein Spiel mit Buchstaben (vgl. www.loquenz.de/vom-fehler-zum-helfer). Fehler, die mir unterlaufen, weisen untrüglich auf Optimierungspotenzial im Sinne von Effizienzsteigerung hin. Und häufig versteckt sich in Fehlern ein Optimierungspotenzial, das eine mehrfache Wirkung beinhalten kann www.loquenz.de/fehler-hebeln). Sprichworte wie
- „gescheitert, aber gescheiter“,
- „aus Fehlern wird man klug“,
- „ein Fehler ist es erst beim zweiten Mal“,
- „Ich verliere nie. Entweder gewinne ich oder ich lerne“ (Nelson Mandela),
- „Failure is not the opposite of sucess, it´s paart of it” (Karamo Brown in ´Queer Eye´) oder
- “Sei groß genug, um zu deinen Fehlern zu stehen, klug genug, um von ihnen zu profitieren und stark genug, um sie zu korrigieren“ (John C. Maxwell).
weisen auf diesen Effekt eines aktiven und produktiven Umgangs mit Fehlern hin.
Optimierung ja, doch von welchem Ausgangspunkt aus und mit welcher Zielsetzung?
Wichtig scheint mir, dass dieser Optimierungsgedanke nicht nur im Sinne einer Effizienzsteigerung präsent ist. Sonst bestünde die Gefahr, dass sozusagen ein ´Hamsterrad des Optimierungsparadigmas´ entstehen könnte.
Eine wichtige Ergänzung stellt hierbei die fortlaufende Reflexion auf die persönlichen oder betrieblich vereinbarten Zieldimensionen dar. Und die Frage, von welchem Ausgangspunkt aus ich mich als Führungskraft bewege.
Klar habe ich z.B. das bestehende Fertigkeitsniveau meiner Mitarbeitenden im Blick. Doch wie steht es um meinen persönlichen, ganz individuellen Ausgangspunkt? Und genau diese Facette nimmt Karl Valentin mit seinen beiden Sätzen: „Heute mache ich mir eine Freude und besuche mich selbst. Hoffentlich bin ich daheim“ in den Blick.
Die persönliche Befindlichkeit als Ausgangspunkt der Selbstfürsorge
Eine Mitarbeiterin hatte mir von ihrem Neujahrsvorsatz berichtet. Ihre Idee: ich versuche im Laufe des Tages immer wieder kleine Unterbrechungen zu machen und mir selbst die Frage zu stellen, wie es mir im Moment geht. Und mir diese Frage in ein oder zwei Minuten so in Worte zu fassen, dass ich diese Antwort auch auf Nachfrage durch eine Kollegin geben könnte. Auf meine Nachfrage, wie es ihr in den ersten drei Wochen des Jahres damit gegangen sei, antwortete sie: „Das ist gar nicht so leicht. Ich bin noch am Üben, die Worte für die Beschreibung, wie es mir geht, zu finden“.
Von der Selbstwahrnehmung zur Selbstmotivierung
Interessanterweise ist die ausdifferenzierte Selbstwahrnehmung der Ausgangspunkt, damit sich Selbstmotivierung entwickeln kann. In Anlehnung an Jens Uwe Martens und Julius Kuhl geht es darum, die Selbstwahrnehmung, z.B. durch Körperübungen, zu stärken und zu lernen, die Situation differenzierter wahrzunehmen, sie mit dem ganzen Selbst, „d.h. seiner ganzen Lebenserfahrung, also allen Gefühlen, Werten und sinnstiftenden Erwägungen (…) in Kontakt zu bringen“ (S.99). Durch das Wahrnehmen, Differenzieren und Relativieren können wir eine neue Einstellung zu dem Problem herstellen und unsere Einstellungen ändern. Vgl. dazu auch https://www.loquenz.de/die-kunst-der-selbstmotivierung.
Vielleicht sollte ich 2026 nutzen, um den Lebensweisheiten von Karl Valentin nachzuspüren…