Kollegiale Beratung in der betrieblichen Führungskräfteentwicklung – Andreas Dotzauer (2024)

Kollegiale Beratung – ein unterschätztes Führungsentwicklungsinstrument

Die Dissertation von Andreas Dotzauer ist sichtbar von seiner umfangreichen Praxiserfahrung als Personalentwickler und Personalleiter geprägt. Der Anlass der Veröffentlichung: Es fehlt ein valides, klares Bild zum Einsatz kollegialer Beratung in Unternehmen. „Trotz (vermutetem) zunehmenden Einsatz kollegialer Beratung und regelmäßiger Veröffentlichungen existiert insbesondere mit Fokus auf Unternehmen wenig tragfähige Literatur“ (S. 3). Konsequenterweise versteht Dotzauer seine Arbeit als „Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion als auch zur evidenzbasierten Professionalisierung betrieblichen Weiterbildungshandelns“ (S. 5).

Die Facetten kollegialer Beratung

Wie für Dissertationen typisch, nähert sich der Autor dem Thema schrittweise und systematisch. Er bearbeitet dazu folgende Teilfragen:

  • Was ist kollegiale Beratung, wie läuft sie ab, und wie sieht der Status quo aus?
  • Welche spezifischen Rahmenbedingungen und zentralen Merkmale prägen den betrieblichen Kontext sowie die Personal- und Führungskräfteentwicklung?
  • Wie lässt sich kollegiale Beratung als Bildungs- bzw. Lernformat theoretisch rahmen und welche Bedeutung ergibt sich daraus für die Praxis?

Für alle, die sich fundiert mit kollegialer Beratung auseinandersetzen möchten, lohnt sich die Lektüre dieser drei Kapitel. Zwar sind die gut 100 Seiten – disziplinüblich – nicht immer lesefreundlich aufbereitet, dafür aber reich mit Belegen für die individuelle Vertiefung versehen.
Wer sich konsequent in das Thema einarbeiten möchte, findet hier einen echten Leckerbissen.

Wissenschafts-Praxis-Transfer

Für Führungs- und Personalentwicklungsverantwortliche wird es ab S. 333 wieder besonders spannend: Was lässt sich aus den Ergebnissen für die betriebliche Praxis ableiten? Beispielhaft die Hinweise zur Einführung kollegialer Beratung:
„Bei der Planung der Einführung kollegialer Beratung ist generell empfehlenswert, sich über die damit verbundenen Metaziele im Klaren zu sein. Im Kern geht es insbesondere um die Förderung sozialen selbstgesteuerten Lernens und um die Weiterentwicklung zeitgemäßer dialog-/mitarbeiterorientierter Führungskompetenzen. Damit können auch noch unklare Herausforderungen der (künftigen) Arbeitswelt erfolgreich bewältigt werden. Einen hilfreichen Betrachtungs- bzw. Gestaltungsrahmen stellt die Ermöglichungsdidaktik dar“ (S. 334).

Dieser kurze Abschnitt macht für mich nachvollziehbar, warum die Implementierung kollegialer Beratung bei einem Kundenprojekt vor Jahren nicht wirklich getragen hat. Der damalige Vorstandsvorsitzende hatte ein Lernverständnis gegenüber seinen Führungskräften, das von „selbst gesteuertem Lernen“ weit entfernt war.

Wissenschaftlich nüchtern – mit Impulsen für die Praxis

Dem Werk ist zu attestieren, dass es eine konsequent nüchterne wissenschaftliche Sprache führt. Mir kommt diese Klarheit entgegen, weil sie den Punkt trifft, ohne zu überfrachten. Die Ableitung für mein eigenes Handeln im betrieblichen Kontext bleibt bewusst meine Aufgabe.
Das Buch bietet dafür einen überzeugenden Reflexionsrahmen.

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