Ein wertschätzender Umgang wird auch am Arbeitsplatz gerne gepflegt. Doch wenn es herausfordernd wird, erleben wir in unserer Beratungsarbeit immer wieder, dass Wertschätzung schnell zu einem Streichfaktor im Führungsverhalten werden kann.
Wertschätzung als angenehmes Add-on?
Wird auf Wertschätzung – etwa aufgrund von Zeitknappheit – verzichtet, zeigt dies deutlich, dass die Führungskraft sie eher als Pflichtaufgabe versteht. Deshalb wird sie bei anderen Prioritäten gegebenenfalls schnell zurückgestellt. Der Kern dieses Denkfehlers liegt in der Annahme, Wertschätzung hätte keinen wesentlichen Einfluss auf die Zusammenarbeit und das Arbeitsergebnis. Doch tatsächlich gilt genau das Gegenteil.
Die Wirkung von Wertschätzung zeigt sich gerade in unsicheren Zeiten
Die Überschrift „Gerade in schwierigen Zeiten: Wertschätzung ist keine Zugabe“ aus der WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE aktuell (https://wirtschaftspsychologie-aktuell.de/magazin/leben/gerade-in-schwierigen-zeiten-wertschaetzung-ist-keine-zugabe) bringt es auf den Punkt:
„Je unsicherer die Situation, je mehr die Krise für Einbrüche im eigenen Unternehmen sorgt, den eigenen Arbeitsplatz bedrohen könnte und ein schleichender Kontrollverlust damit einherzugehen scheint, desto mehr steigt die Sensibilität für Beziehungssignale. Menschen fragen sich nun noch häufiger: ´Bin ich hier noch gemeint? Zählt mein Beitrag? Habe ich eine Perspektive?´“.
Zeigen Führungskräfte gerade in solchen Zeiten Wertschätzung, wirkt dies auf Mitarbeitende stabilisierend. Wertschätzung stärkt insbesondere in unsicheren Arbeitssituationen die Bindung und Loyalität. Sie fördert das Vertrauen ins Unternehmen und erhöht die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Wertschätzung als strategischer Führungsfaktor
Wertschätzendem Führungsverhalten werden zahlreiche positive Effekte zugeschrieben.
1. Wertschätzung schafft Vertrauen
Vertrauen ist eine zentrale Voraussetzung für Führung. Wertschätzung bildet einen wesentlichen Baustein hierfür. Fehlt Vertrauen, neigen Mitarbeitende dazu, sich zurückzuziehen. Die Kommunikation nimmt ab, und hoher Einsatz wird unwahrscheinlicher. Besteht Vertrauen, zeigen Mitarbeitende häufiger Initiative, melden Probleme früher und bringen aktiv Ideen zur Lösung ein.
2. Wertschätzung stärkt Motivation und Leistungsbereitschaft
Wertschätzende Führung steigert die intrinsische Motivation, fördert Verantwortungsbereitschaft und erhöht sowohl Engagement als auch die Qualität der Arbeitsergebnisse. Etwas umgangssprachlich formuliert: Mitarbeitende gehen selten für das Unternehmen die Extrameile – aber sehr wohl für Führungskräfte, die sie respektieren.
3. Wertschätzung verbessert die psychologische Sicherheit
Wertschätzende Führung ermutigt Mitarbeitende, Fragen zu stellen. Sie erhöht die Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen, und stärkt damit die Innovationsfähigkeit im Team. Mitarbeitende brauchen das Gefühl, dass Fehler nicht sofort sanktioniert werden, Ideen ernst genommen und Persönlichkeiten respektiert werden. Teams mit hoher psychologischer Sicherheit erzielen nachweislich bessere Ergebnisse (vgl. auch www.loquenz.de/tipps-fuer-psychological-safety-am-arbeitsplatz).
4. Wertschätzung reduziert Stress und beugt Burnout vor
Noch vor der empfundenen Arbeitsbelastung zählt mangelnde Anerkennung zu den stärksten Stressoren am Arbeitsplatz. Wenn Mitarbeitende sich gesehen fühlen – und genau dieses „Gesehenwerden“ vermittelt Wertschätzung –, entsteht ein zentraler Faktor für Zufriedenheit. Zudem wirkt Wertschätzung entlastend und stabilisierend und stärkt damit die Resilienz der Mitarbeitenden.
5. Wertschätzung stärkt Loyalität und Mitarbeiterbindung
Menschen verlassen häufig nicht ihren Job – sie verlassen ihre Führungskraft. Die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell schreibt dazu:
„Laut einer McKinsey-Umfrage aus dem Jahr 2022 ist «Unzufriedenheit mit den Vorgesetzten» der zweithäufigste Grund für eine Kündigung. Damit bestätigt sich einmal mehr die Aussage des britischen Forschers und Autors Marcus Buckingham: «Mitarbeitende verlassen keine Unternehmen, sondern Chefs.»“
(https://www.ihk.ch/mitarbeitende-verlassen-chefs-nicht-unternehmen)
Wertschätzende Führung stärkt die Loyalität, reduziert Fluktuation und erhöht Bindung und Identifikation – Teams werden stabiler und verlässlicher.
6. Wertschätzung fördert eine konstruktive Feedbackkultur
Zeigen Führungskräfte Wertschätzung für das Engagement ihrer Mitarbeitenden, umfasst dies nicht nur Lob, sondern auch einen respektvollen Umgang mit Kritik. Feedback kann so einen Raum für Selbstreflexion eröffnen (www.loquenz.de/ideen-erproben-feedback-reflexion). Und indem Führungskräfte Feedforward einsetzen, richten sie den Blick auf konkrete Verbesserungsmöglichkeiten für die Zukunft.
7. Wertschätzung wirkt als Vorbild für das Teamverhalten
Führungskräfte prägen als Vorbilder die Unternehmenskultur. Teams übernehmen häufig das Verhalten, das ihnen vorgelebt wird. Wenn Führungskräfte Wertschätzung vorleben, fördern sie Teamkohäsion, verbessern den Umgang miteinander und stärken eine positive, kooperative Arbeitsatmosphäre.
Wertschätzung als Haltung – nicht nur als Technik
Trotz aller Vorteile sollten Führungskräfte Wertschätzung nicht nur im Verhalten zeigen, sondern sie bewusst als Haltung einnehmen. Werden Führungskräfte jedoch als „Wertschätzungsautomaten“ wahrgenommen, kann sich die Wirkung schnell ins Gegenteil verkehren.
Wertschätzung – ein Dauerbrenner
Bei der Recherche zum Thema Wertschätzung bin ich auf eine Loquenz-Kundenreferenz aus dem Jahr 2014 gestoßen. Schon damals wurden unsere Impulse zum Thema Wertschätzung – etwa bei der Klausur der Stadtwerke Schweinfurt im Jahr 2014 – positiv aufgenommen (https://www.loquenz.de/kunde-2). Offensichtlich ist Wertschätzung ein Dauerbrenner – also dranbleiben.