Zuhören: Die Kunst, sich der Welt zu öffnen von Bernhard Pörksen (2025)

Dem Clown zuhören – und wirklich empathisch hinhören

„Manchmal ist es überlebenswichtig, dem Clown zuzuhören“, mit diesem Satz eröffnet Pörksen sein Plädoyer für empathisches, aktives Hinhören.

Wir alle hören Nachrichten, Erzählungen, Berichte und Erlebnisse vor dem Hintergrund unserer Lebenserfahrung und unserer aktuellen Lebenssituation. Und oft entsteht daraus ein verkürztes Zuhören: wir dringen nicht zu der Frage vor, ob wir aufgrund des Gehörten in einer bestimmten Weise reagieren sollten – oder ob unsere Aufgabe zunächst darin bestünde, dem Sprecher oder der Sprecherin Aufmerksamkeit zu schenken und eben nicht sofort in Aktion zu gehen.

Philosophie des Zuhörens

Im ersten Kapitel unternimmt der Autor eine kurze Tour d’horizon durch das Thema. Wann hat Erzähltes überhaupt eine Chance, Wirkung zu entfalten? Welche Rolle spielt die Art des Zuhörens – etwa in der Unterscheidung von Ich- und Du-Ohr? Zuhören zwischen Diskursalarmismus und Diskursidealismus – und was das für unsere Haltung bedeutet.

Pörksens Vorschlag in „Zuhören: Die Kunst, sich der Welt zu öffnen“ ist letztlich eine Haltung des Zuhörens, „die der Sozialpsychologie Kurt Lewin action research genannt hätte“ (S. 44).

Praxis des Zuhörens

Der Großteil des Buches widmet sich der Praxis – zunächst am Beispiel des Missbrauchs an der Odenwaldschule und der Frage, warum es so lange dauerte, bis nicht mehr vertuscht, sondern aufgeklärt wurde.

Als zweites Beispiel betrachtet Pörksen das Zuhören im Kontext des Ukrainekriegs. Im Spannungsfeld von Empathie, Distanz und gezielter Einflussnahme.

Drittens geht es um die Utopien des Silicon Valley, viertens um die Wirkung der unbequemen Wahrheit der Klimakrise.

Der Autor nimmt sich die Zeit, den jeweiligen Perspektiven ausführlich nachzugehen – und die unterschiedlichen Facetten der Wahrnehmung nachvollziehbar zu machen. Gerade am Beispiel Odenwaldschule kann das bis an die Grenze des Erträglichen gehen. Doch indem wir uns diesem aktiven Hinhören aussetzen, verwirklichen wir eine zentrale Facette des notwendigen Zuhörens. Diese Anstrengung st auch bei den anderen Themen gefragt – Ukraine, Silicon Valley, Klimakrise.

Politik des Zuhörens

Neben der individuellen Perspektive in der direkten Kommunikation widmet der Autor die abschließenden 40 Seiten einer Politik des Zuhörens. Er skizziert dabei drei Konfliktlinien unserer öffentlichen Kommunikation. Zum einen die Gleichzeitigkeit sehr unterschiedlicher Informationen, zum anderen die knappe Zeit und die Ungeduld im Zuhören, und zum dritten das Phänomen, dass öffentliches Sprechen zwar leicht möglich ist, das Gehörtwerden dadurch aber nicht automatisch leichter wird.

Lob der Nuance

Pörksens Empfehlung lautet: ein Lob der Nuance: „Wirkliches Zuhören ist (…) gelebte Demokratie im Kleinen, Anerkennung und Akzeptanz von Verschiedenheit, Suche nach dem Verbindenden, Klärung des Trennenden, gemeinschaftliche Erfindung einer Welt, die überhaupt erst im Miteinander-Reden und Einander-Zuhören entsteht“ (S. 277).

Pörksens Empfehlung lautet: ein Lob der Nuance: „Wirkliches Zuhören ist (…) gelebte Demokratie im Kleinen, Anerkennung und Akzeptanz von Verschiedenheit, Suche nach dem Verbindenden, Klärung des Trennenden, gemeinschaftliche Erfindung einer Welt, die überhaupt erst im Miteinander-Reden und Einander-Zuhören entsteht“ (S. 277).

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