Mitarbeitende „mitnehmen“? Sprache prägt!

Ein ehemaliger, sehr erfahrener Kollege im BDU-Fachverband Personalentwicklung und Coaching pflegte sinngemäß zu sagen: „Wenn man Mitarbeitende mitnehmen muss“, dann fühlen sie sich „mitgenommen“ – ähnlich wie Päckchen …

Ich habe die Gespräche und den Erfahrungsaustausch mit Horst Rückle, einem der Pioniere der deutschen Coachingbranche und einem sehr erfahrenen Trainer und Berater, in unserem BDU-Fachverband gerade wegen seiner sprachlichen Präzision sehr genossen.

Belegschaft oder Mannschaft?

Peter Kreuz greift in seinem Newsletter „Rebel Mondays“ gekonnt die Sprache auf, die Führungskräfte und Management verwenden. Geht es dabei um korrekte Bezeichnungen wie „Belegschaft“? Oder sollten wir lieber von „Mannschaft“ oder „Teams“ sprechen?

Am Beispiel des Fußballsports macht er deutlich, wie sehr Begriffe unser Bild prägen: Kein Fußballverein würde von seiner Belegschaft sprechen!

Human Resources?

Die Bezeichnung „Human Resources“ für die Talente im Betrieb, die Leistungsträger in den Teams oder unsere Mannschaften in der Produktion treibt diese sprachliche Betrachtung noch einmal auf die Spitze.

Sind Mitarbeitende Ressourcen, die vom Management und von Führungskräften ausgebeutet werden? Oder sind sie vielmehr die Akteure, die durch ihr abgestimmtes Miteinander, ihre betriebliche Choreographie, überhaupt erst das Entstehen eines einzigartigen Produktes oder einer Dienstleistung ermöglichen?

Ressourcen werden leider allzu häufig abgebaut und ausgebeutet, bis ihre Vorkommen erschöpft sind. So gehen wir zumindest mit Rohstoffen um – auf Menschen sollte diese Logik nicht übertragbar sein.

Neue Begriffe oder ein Miteinander auf Augenhöhe?

Peter Kreuz schließt seinen Newsletter mit folgender Überlegung: „Ich glaube nicht, dass wir jetzt hektisch neue Begriffe erfinden müssen. Das wäre Kosmetik. Aber es lohnt sich, bei den alten einmal genauer hinzuhören. Vielleicht verraten sie mehr über unsere Unternehmen als manches Leitbild an der Wand. Denn vielleicht haben Unternehmen gar kein Fachkräfteproblem. Vielleicht haben sie manchmal ein Menschenbildproblem“.

Wer seine Gedanken zu sprachlichen Gepflogenheiten wie „Mitarbeitende mitnehmen“ weiterverfolgen möchte, kann den empfehlenswerten Newsletter unter https://peterkreuz.com/rebel-mondays/ abonnieren.

Mit welcher Grundhaltung sehe ich meine Mitarbeitenden?

Im Coaching von Führungskräften taucht diese Frage regelmäßig auf. Wie sehe ich meine Mitarbeitenden? Welche Erwartungen habe ich an sie? Interessieren mich ihre Stärken, Talente, Vorlieben, Schwächen und vielleicht auch ihre No-Gos wirklich?

So intensiv, dass ich beispielsweise mithilfe von Job Crafting (hier der Loquenz-Beitrag) versuche, den Arbeitsalltag stärker an den Talenten, Vorlieben und Stärken der Beteiligten auszurichten? Oder bleibt es für mich eher bei Kosmetik an der Oberfläche?

Mit welcher Grundhaltung sehe ich mich selbst?

Und natürlich stellt sich auch die Frage: Wie gut bin ich mir meiner persönlichen Stärken, Talente, Vorlieben, Schwächen und No-Gos als Führungskraft bewusst? Und mache ich diese in einem angemessenen Maß gegenüber meinen Mitarbeitenden transparent? Schließlich sollten auch meine Mitarbeitenden die Chance haben, mich einzuschätzen und angemessen mit mir umzugehen.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, hin und wieder genauer hinzuhören: auf die Worte, die wir für andere verwenden – und auf das Menschenbild, das darin sichtbar wird.

Führen – eine spannende Reise zu sich selbst!

#Mitarbeitende mitnehmen

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