Dankbarkeit – oft unterschätzt

Fast alle von uns kennen es aus der Kindheit: Erwachsene fordern uns auf, deutlich hörbar „Danke“ zu sagen.
Dieser äußere Zwang oder die pädagogische Ermahnung hat bei vielen das Thema Dankbarkeit in ein negatives Licht gerückt.
Danke sagen wird zur Pflicht – eine Konvention, deren Erfüllung Mühe macht.

Dankbarkeit – eigentlich eine Superpower

Erstaunlich ist: Dieses eher negative Bild passt gar nicht zu den tatsächlichen Effekten von Dankbarkeit.
Studien zeigen, dass Dankbarkeit:

  • Stress reduziert und unser Nervensystem beruhigt,
  • die Klarheit in der Führung verbessert – weil wir seltener im „Reaktivmodus“ agieren,
  • Motivation und Bindung im Team stärkt,
  • Konflikte entschärft, indem sich der Fokus verschiebt und
  • die Resilienz besonders in herausfordernden Zeiten fördert.

Wichtig dabei: Dankbarkeit ist kein „Soft Skill“, den man als Führungskraft zeigt, um sozial nicht anzuecken.
Im Gegenteil: Dankbarkeit ist ein echtes Performance-Werkzeug.
Dankbarkeit hat das Potenzial, Führungskräfte zu verändern. Wie sie Entscheidungen treffen, wie Führungskräfte kommunizieren und wie sie vom Team erlebt werden.

Wie kann ich die positiven Effekte von Dankbarkeit nutzen?

Es gibt viele Wege, wie Sie als Führungskraft die positiven Effekte von Dankbarkeit für sich und Ihr Team nutzen können.

Mini-Ritual: „3 Dinge, für die ich dankbar bin“

Ein tägliches 60-Sekunden-Ritual mit der einfachen Frage: „Wofür bin ich heute dankbar?“
Dabei geht es oft um Kleinigkeiten – einen guten Kaffee, ein inspirierendes Gespräch oder den Blick auf eine schöne Pflanze.
Der Effekt dieser kurzen Rückschau: mehr Ruhe, mehr Präsenz – und ein klarerer Fokus.

Dankbarkeit in herausfordernden Momenten

Steht eine schwierige Aufgabe an – etwa ein Kritikgespräch oder ein Konflikt –, lohnt sich ein kurzer Perspektivwechsel.
Wenn es gelingt, in der Vorbereitung bewusst eine Sache zu finden, für die ich in dieser Situation dankbar bin – etwa im Sinne eines Reframings („Ich bin dankbar, dass mein Team offen kommuniziert, auch wenn es anstrengend ist.“) –, kann das helfen, aus dem inneren Kampfmodus auszusteigen.

Kurz-Check-in vor Meetings: Dankbarkeit als Türöffner

Kurz bevor ich ein Meeting betrete – live oder online –, hilft die Frage: „Was läuft eigentlich gut?“
Gemeint ist keine rosarote Brille – sondern eine bewusste Ergänzung der Wahrnehmung um das, was gut läuft.
So relativieren sich auch schwierige Themen – weil ich mit einer offeneren Haltung in die Besprechung gehe.

Sichtbare, echte Anerkennung gegenüber Dritten

Gemeint ist keine übertriebene oder inflationäre Dankbarkeit.
Für Führungskräfte haben sich dabei folgende Leitlinien bewährt:

  • konkret („Was genau war gut?“)
  • zeitnah
  • ruhig und authentisch

Direkt ausgesprochene, ehrliche Dankbarkeit wirkt oft stärker als jedes Bonusprogramm.

Appreciative Leadership: Fragen, die stärken

In Besprechungen lassen sich regelmäßig Fragen einbauen wie:

  • „Was hat diese Woche gut funktioniert?“
  • „Worauf bist du stolz?“
  • „Wem möchten wir heute danken?“
  • Monatsabschluss: „Wofür sind wir als Team dankbar?“
  • Projektstart: „Was bringen wir an Stärken mit?“
  • Projektende: „Wofür sind wir stolz?“
  • „Bevor wir starten: eine Sache, die gerade gut läuft.“

Solche Fragen lenken den Fokus weg von Defiziten – hin zu Stärken und Ressourcen.
Weitere Anregungen zum Thema „Stärken stärken“ finden Sie unter:
www.loquenz.de/staerken-staerken und www.loquenz.de/tipp-fuer-fuehrungskrafte-staerken

Kleine Gesten der Dankbarkeit mit großer Wirkung

Einige kennen es noch: die Tradition des „bread-and-butter-letters“ – eine kurze Notiz oder Online-Nachricht nach einer Einladung, um sich bei den Gastgeber:innen zu bedanken.
Im Arbeitsalltag reicht oft eine kurze Nachricht oder ein Post-it auf dem Schreibtisch, um Dankbarkeit auszudrücken.
Eine Teamleiterin bei uns zeigte das zum Nikolaus – mit kleinen Schokoladen-Nikoläusen für jedes Teammitglied.
Die Leadership-Forschung zeigt: Solche Mikrointerventionen steigern das Engagement deutlich.
(Studie: plos.org)

Dankbarkeit_LeadershipImpulse_Nikolaus mit Herz

4-Evening-Questions als stärkender Tagesrückblick

Mein persönlicher Favorit: die 4-Evening-Questions von Markus Ebener – ein stärkender Tagesrückblick.
Die Fragen lauten:

  • Was hat mir heute Freude bereitet?
  • Wo habe ich mich heute lebendig gefühlt?
  • Wofür und wem kann ich heute dankbar sein?
  • Welche Stärken konnte ich heute ausleben?

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.loquenz.de/mein-selbstwertgefuehl-staerken-3-nuetzliche-tipps

Dankbarkeit im Rückblick

Ein Impuls, zu dem mich Carolin Hecky (www.carolinhecky.de) inspiriert hat: Dankbarkeit im Jahresrückblick. Das Prinzip ist einfach: Zu jedem Kalendertag blicke ich ein Jahr zurück.
Was habe ich an diesem Tag vor einem Jahr erlebt – wofür ich heute dankbar sein kann?

In diesem Jahr verbinde ich diesen Rückblick mit den 4-Evening-Questions – und bin gespannt, was ich entdecke.
Heute vor einem Jahr war es ein inspirierender Austausch mit Annette Bantel-Kochan – daraus entstand unser gemeinsames Video für den Do-Care-Kongress 2025: „Tipps aus der Entwicklungspsychologie für Veränderungsprozesse im Unternehmen“. (vgl. www.loquenz.de/wertorientierung-spiral-dynamics-fuehrungskraft)

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