04.09.2018

Fehlzeitenquote als Druckmittel?

Kürzlich in der Presse war es zu lesen

Zum Thema Fehlzeitenquote bzw. Krankenstand bei Brose, gab es neulich einen Pressebericht.
Der Grundtenor: wenn der Krankenstand nicht sinkt, besteht die Gefahr, dass der Produktionsstandort geschlossen wird.

Meine Befürchtung, wie eine solche Grundhaltung wirken mag? Die Werker/-innen nehmen die Ansage der Managementriege als Druck war. Kommen kurzfristig auch mit aufziehenden Erkältungen, Zipperchen u.ä zu Arbeit. Die Gefahr, andere Kollegen/-innen anzustecken ist offensichtlich. Dadurch kann sich nicht nur die Fehlerquote stark erhöhen, sondern eventuell auch die dadurch vereinbarten Fertigstellungstermine in Projekten in Gefahr geraten. Die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter/-innen wird weiter sinken und die Vorgesetzten könnten motiviert sein, noch mehr Druck aufzubauen.
Unsere Erfahrung:
ein erzwungener Präsentismus ist die beste Voraussetzung für hohe Fehlzeiten in der Zukunft.

Anstatt der Fehlzeitenquote die Arbeitszufriedenheit in den Blick nehmen

Dabei könnte es so einfach sein (zumindestens in der Grundhaltung – die Praxis bewährt sich in der Regel auch auf mittlere Sicht). Fehlzeiten sind ein Symptom, nicht die Ursache an sich. Die Ursache ist häufig die mangelnde Arbeitszufriedenheit. Bezüglich Arbeitsschutz und Ausstattung der Arbeitsplätze haben wir in Deutschland in der Zwischenzeit ein beachtliches Niveau erreicht! Und Arbeitszufriedenheit ist immer durch die subjektive Perspektive geprägt. Also gilt es, diese subjektive Brille transparent zu machen.
Folgende Fragen sollten in Betracht gezogen werden:

  • Was mindert im Moment die Arbeitszufriedenheit?
  • Was unterstützt die Arbeitszufriedenheit?
  • Aus meiner persönlichen Sicht?
  • Aus der Perspektive meiner Kollegen oder anderer?
  • Gibt es Unterschiede zwischen den Perspektiven von Mitarbeitern und Führungskräften?
  • Belegschaft mit hoher oder niedriger Betriebszugehörigkeit?
  • Verwaltung oder Produktion?

Diesen Fragen geht man am besten in Teams nach, die bunt gemischt zusammengesetzt sind. Diese Teams berichten über ihre Erkenntnisse in das Management oder z.B. in der nächstliegenden Mitarbeiterversammlung. Wichtig ist, dass ein wertschätzender Kommunikationsprozess im Unternehmen bzw. der Organisation in Gang kommt, bei dem der Fokus auf die Dinge gerichtet wird, die uns helfen gesund zu bleiben oder wieder leistungsfähig zu werden.

Neue Chancen durch offenen Umgang & Anwendung

In der Regel wird ein solcher Prozess von der Belegschaft eher zögernd angegangen. Häufig zeigt die Erfahrung, dass Themen wie Gesundheit oder Wertschätzung auch ins Lächerliche gezogen werden. Doch schon kleine Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen, die sich aktiv mit der Thematik auseinandersetzten, eine ungeheure Dynamik entwickeln!

Mein Tipp für die praktische Anwendung im eigenen Unternehmen
Versuchen Sie es einmal mit einer kleineren Abteilung oder einem größeren Team. Sammeln Sie Ihre ersten Erfahrungen, bevor Sie es auf das gesamte Unternehmen ausrollen. Und lassen Sie Ihren Mitarbeitern/-innen Zeit, ebenfalls ihre Erfahrungen zu sammeln. Z.B. die, ob es Ihnen mit Wertschätzung und Gesundheit wirklich ernst ist.

 

 


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