20.02.2018

Denken alleine genügt nicht!

„Es gibt keine lineare Firma, es gibt nur lineares Denken in Firmen“ – Denkfehler des klassischen Planungsdenkens

Wie sieht unser Alltag in den Firmen aus?

Wir versuchen mit Hilfe umfangreicher Planung – ich denke nur an die vielen Gantt-Diagramme an den Wänden unzähliger Besprechungsräume – die Vorgänge in Unternehmen in klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu bringen und haben dabei die Idee, dass die Dinge linear von statten gehen. Passiert Unerwartetes, versuchen wir eine Control- oder Evaluationsschleife zusätzlich einzuziehen, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen.
Mit dem Zitat „Es gibt keine lineare Firma, es gibt nur lineares Denken in Firmen“ von Harry Gatterer auf dem Strategie Austria Symposium 2017 ist es auf den Punkt gebracht.

Das Paradigma der Linearität wird nicht hinterfragt

Was wir dabei nicht hinterfragen, ist das Paradigma der Linearität. Wir unterliegen der Illusion, dass unser Arbeiten Richtung Zukunft auch linear gestaltet werden könnte, auch wenn wir aus Erfahrung bereits gelernt haben, dass dies äußerst unwahrscheinlich ist.

Die Preisfrage sollte vielmehr lauten:
Was können wir tun, um mitsamt unserem linearen Denken mit Firmen und Organisationen als lebendige Systeme umzugehen? Mein Tipp: als erstes die Illusion aufgeben, dass die Dinge linear sein könnten. Meine Lebens- und Beratungserfahrung skizziert die Redensart „Erstens kommt es anders zweitens als man denkt“ recht passend. Daraus lassen sich zwei Perspektiven ableiten:

  1. Erwarte nicht nur das Absehbare
  2. Denken alleine genügt nicht

 

Erwarte nicht nur das Absehbare

Wenn ich damit rechne, dass nicht nur das Absehbare eintreten könnte, dann ist eine Nicht-Linearität kein Versagen der Planung, sondern eine neue Ausgangssituation für die Reflexion. Konsequenterweise stehen dann nicht Fragen, wie das jetzt passieren konnte bzw. wer dafür die Verantwortung zu tragen hat u.v.m im Vordergrund, sondern es gilt sich auf das rasche Nachsteuern (vergleichbar einem Surfer) zu konzentrieren:

  • Wie ist die momentane Situation genau?
  • Welche Optionen haben wir?
  • Wie beeinflussen diese unsere langfristige Zielperspektive?

Das Handlungsprinzip ist dann nicht maximale Sicherheit, dass dieser nächste Schritt auf jeden Fall richtig ist, sondern: Was können wir mit einem nächsten Schritt bezüglich unserer Zielperspektive mit leistbarem Investment bzw. Risiko lernen?

 

Denken alleine genügt nicht

Otto Scharmer stellt es bei seinem U-Prozess heraus. Das Nachdenken alleine genügt nicht für gute Lösungen. Es geht auch um ein Erspüren, ein sich Hineinfühlen. Wir kennen es alle von den Momenten unter der Dusche, beim Spazierengehen, Joggen oder Warten auf einen Bus – wenn uns die interessantesten Einfälle kommen.

Unsere von Linearität und kognitivem Fokus geprägte Meetingkultur gilt es um Momente des Innehaltens zu erweitern. Wo ist der Raum, in dem die sogenannten „Bauchgefühle“ zur Sprache kommen können. Nicht weil das Bauchgefühl immer recht hätte, sondern weil es eine sinnvolle Ergänzung zur rein kognitiven Betrachtungsweise bietet. Beiträge wie „Schnelles Denken – langsames Denken“ von Daniel Kahneman oder die aktive Rezeption von Achtsamkeit im Management verweisen darauf.

Für alle, die diesem Thema weiterspüren und daran weiterdenken wollen hier ein Video von Harry Gatterer


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