Wut hilft – zumindest in vielen herausfordernden Situationen

Oft gelten positive Emotionen wie Freude, Spaß oder Genuss als gut – negative hingegen als schlecht.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Studien zeigen immer wieder: Emotionen können uns – je nach Situation – durchaus unterstützen. So kann gerade Wut dabei helfen, in schwierigen Situationen die eigenen Ziele besser zu erreichen.

Die passende Kombination von Emotionen kann die Ergebnisse verbessern

Im „uPPdate 01/24“ der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (DGPP, www.dgpp-online.de) wird eine bemerkenswerte Studie vorgestellt. Darin wurden die Teilnehmenden mithilfe zufällig gezeigter Bilder in unterschiedliche emotionale Zustände versetzt – etwa Wut, Neutralität, Belustigung, Verlangen oder Traurigkeit. Anschließend sollten sie in diesem emotionalen Zustand herausfordernde Aufgaben lösen.
Das Ergebnis: Proband:innen mit Wut zeigten bessere Leistungen bei schwierigen Aufgaben. Bei leichten Aufgaben zeigte sich hingegen kein Unterschied.
Bemerkenswert: Die Wirkung trat unabhängig davon auf, ob die Teilnehmenden Wut als hilfreich empfanden oder nicht.
Das Fazit der Studie: „Anger has benefits for attaining goals.“ (https://psycnet.apa.org/record/2024-17814-001)

Wie sollte ich als Führungskraft mit meiner Wut umgehen?

In Coachings und Führungswerkstätten begegnet mir häufig die Frage: Was kann ich mit meiner Wut tun? Wie bekomme ich sie in den Griff? Oft verbunden mit dem inneren Bild, dass Wut als Führungskraft keinesfalls sichtbar werden darf.

Es gibt zahlreiche Tipps, wie Führungskräfte ihre Wut kontrollieren können:
– Tiefe, langsame Atemzüge, bei denen die Ausatmung länger dauert als die Einatmung.
– Box Breathing (4 Sekunden einatmen, 4 halten, 4 ausatmen, 4 halten – mehrfach wiederholen); das beruhigt Herzschlag und Nervensystem.
– Eigene Trigger erkennen, die Wut auslösen.
– Situationen kognitiv umstrukturieren (Reframing).
– Achtsamkeitstechniken anwenden oder
– Rollentrainings durchführen.
– …

Seltener finden sich Hinweise, wie sich Wut kontrolliert nutzen lässt. Etwa indem ich Wut über ein gebrochenes Commitment im direkten Gespräch mit Mitarbeitenden gezielt anspreche.

Wutkraft – eine Energiequelle?

Ein inspirierender Begriff, der mir im Zusammenhang von „Führung und Wut“ begegnet ist, lautet: „Wutkraft“.
So heißt auch das Buch von Friedrike von Aderkas. Sie weist darauf hin, dass wir meist gelernt haben, unsere Wut zu unterdrücken. Mit „Wutkraft“ will sie das Potenzial von Wut bewusst machen. Etwa als Hinweis auf eigene Bedürfnisse oder als Impuls, klare Entscheidungen und Grenzen zu setzen. Für sie ist Wut eine lebensdienliche Kraft (https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/45247-wutkraft.html).

Als Führungskraft mit Wut als Energiequelle experimentieren?

Vielleicht ist es ein gewagtes Unterfangen, als Führungskraft mit Wut als Energiequelle zu arbeiten. Doch man kann sich diesem Thema auch schrittweise nähern. Zum Beispiel durch Selbstbeobachtung und Reflexion am Tagesende: Wann ist im Verlauf des Arbeitstages so etwas wie Wut in mir aufgetaucht? Vielleicht ist das schon die erste Erkenntnis – oder sogar ein Eingeständnis –, dass auch Emotionen wie Wut mich bewegen.
Und vielleicht ist es dann auch eine Option, diese Wut – dosiert – in der persönlichen Kommunikation als Führungskraft zu nutzen. Ich würde sogar darauf wetten, dass so mehr Klarheit in der Kommunikation mit Mitarbeitenden entsteht – natürlich ohne einem cholerischen Führungsstil Raum zu geben.

Aus meiner Erfahrung im Führungsalltag hat mehr Klarheit meinerseits selten geschadet. Im Gegenteil: Meine Klarheit – spürbar in Sprache und Ausdruck – war rückblickend oft ein hilfreicher Beitrag zur Klärung unklarer Situationen.
Auch wenn ich mir dafür oft einen kleinen Stups geben muss – denn der Umgang mit der Emotion „Wut“ ist etwas, in dem ich noch wenig geübt bin.
Sich das einzugestehen – dass mir diese Emotion im Führungsalltag begegnet –, das erfordert schon Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Ich werde das Thema Emotionen auf jeden fall im Blick behalten (siehe auch „Gefühle & Emotionen“ – eine Gebrauchsanweisung).

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