12.02.2019

Erfolgsfaktoren der Beratung

Beratung, Handlungsfelder, Schulen…

Methoden oder Grundhaltung – was entscheidet?

Die Grundhaltung als Berater entscheidet – Methoden helfen, sind aber nicht das zentrale Element in der Beratung. Im Fachverband Personalmanagement (BDU) tauschen wir uns immer wieder über die Hintergründe unserer Beratungsarbeit aus. Für mich war dies 20 Jahre nach meinem Eintritt in den Fachverband eine schöne Gelegenheit, über die Grundlagen unserer Beratungsarbeit bei Loquenz zu reflektieren. Ich erinnere mich noch fast wie heute. Mein Beratungsthema damals: die Begleitung eines Generationenübergangs in einer familiengeführten Druckerei – für die Kollegen/-innen nachvollziehbar aufbereitet. Ich hatte v.a. Wert darauf gelegt, die Methoden darzustellen, die ich zum Einsatz gebracht hatte, um bestimmte Effekte in der Beratung zu erzielen. Dabei war meine Vorbereitung einerseits von den Handlungsfeldern geprägt und andererseits mit welcher Grundhaltung wir in diesen Handlungsfeldern beraten und begleiten würden.

Daraus haben sich damals drei generelle Handlungsfelder unserer Beratungsarbeit bei Loquenz ergeben, die auch heute noch aktuell sind:

  1. Der/Die Mitarbeiter/in als Person mit ihrem/seinem Beitrag zum Ganzen
  2. Wie kann der Blick auf das Ganze gelingen?
  3. Wie können wir in der Beratung konkret begleiten, und was ist sozusagen unsere Strategie in der Konkretion?

Anwendung der drei generellen Handlungsfelder

Wir alle im Fachverband Personalmanagement nutzen in Bezug auf den ersten Punkt verschiedene Methoden, die den Menschen als Person in seiner Funktion stärken. Bei Loquenz seien beispielhaft die Ansätze aus der klientenzentrierten Gesprächsführung mit der Betonung der Empathie oder dem neurolinguistischen Programmieren mit seiner Pragmatik genannt. Gepaart mit einer durch den Empowerment-Ansatz geprägten Grundhaltung (wie kann ich möglichst viele Einflussoptionen beim einzelnen Menschen belassen) kann damit eine Aktivierung der Ressourcen und des Wissens der Mitarbeiter unterstützt werden. Und die Mitarbeiter sind ja bekanntlich die Experten für die Handlungsfelder vor Ort.

Für den Blick auf das Ganze stehen uns zahlreiche Reflexionsoptionen aus der systemischen Denkschule oder aus dem Konstruktivismus zur Verfügung. Für eine möglichst umfassende Wahrnehmung hat sich für mich in den letzten Jahren der integrale Ansatz von Ken Wilber bewährt.

Drei Schulen, die unsere Arbeit prägen

Mein Fokus bei der Vorbereitung meines diesjährigen Impulses lag auf der dritten Fragestellung: Wie können wir in der Beratung konkret begleiten und welche Strategie hat sich in der Konkretion vor Ort bewährt? Hier prägen unsere Arbeit drei „Schulen“, die sich einer sehr ähnlichen Grundhaltung verpflichtet wissen:

  1. Die Lösungsfokussierung, wie sie von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer ausgearbeitet wurden
  2. Ansatz der Effectuation (Michael Faschingbauer hat sich hier für den Transfer in den deutschen Sprachraum engagiert)
  3. Lean-Management (hier hat mich vor allem mein BDU-Kollege Joachim Klesius vom ITC in Köln inspiriert).

Erfahrung mit der Anwendung der drei Schulen

Was aus meiner Erfahrung für alle drei „Schulen“ gilt: Keine reklamiert für sich den Anspruch, dass der Zielpunkt im Vorfeld exakt definiert werden könnte oder bekannt sein müsste, bevor ich mich auf den Weg mache. Im Change-Management eine absolut realistische und hilfreiche Grundeinstellung. Und zwar deshalb, weil ich bei einem wirklichen Change den Zielzustand im Vorfeld nicht exakt bestimmen kann, sonst könnte ich ihn ja auch mit meinen vertrauten Managementmethoden erreichen. Der lösungsfokussierte Ansatz ruft den Lösungsraum in Erinnerung, Effectuation thematisiert die schnellen Lernschleifen und Kooperationen auf dem Lernweg und Lean Administration das Vorgehen Schritt für Schritt mit klarem Bewusstsein für die Qualitätskriterien, die in die konkrete Entscheidung einzufließen haben.

Wenn ich mir die Veröffentlichungen der letzten Jahre zum Thema Unternehmensentwicklung anschaue, dann stechen mir Titel wie Reinventing Organizations von Frederic Laloux ins Auge, die diese bewährten Grundhaltungen für ein breiteres Publikum verfügbar machen. Insofern freue ich mich schon auf die nächsten 20 Jahre im Fachverband Personalmanagement und der Change-Beratung. Die Grundausrichtung passt!


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