22.01.2019

Organisationale Erschöpfung – was tun?

Wie weit befinden wir uns bereits auf dem Weg hin zu einem organizationalen Burnout?

Organisationale Erschöpfung – kurz vor dem Burnout

In der Beratung eines Managementteams (Thema: den Change wirkungsvoll umsetzen) fand ich eine klassische organisationale Erschöpfung vor. Thema war die Synchronisierung und Strategieumsetzung im Anschluss an eine grundlegende Umstrukturierung. Es entstand bei mir der Eindruck, als ob ich Menschen mit beginnendem Burnout gegenübersitze. Die Organisation wirkte überlastet, Fehler in Prozessabläufen und Absprachen fingen an sich einzuschleichen und das Managementteam war von einer inneren Ungeduld gekennzeichnet. So in der Art: „Wann können wir die Besprechung beenden, damit wir (endlich) wieder unserer Arbeit nachgehen können?“.

Gezielte Maßnahmen

Klar war in dieser Besprechung, heute kann es nicht um zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung des laufenden Change-Prozesses gehen, sondern es ist Entlastung angesagt.
Hilfreich war hier ein kleiner Leitfaden zur Selbstreflexion: „Wie weit befinden wir uns bereits auf dem Weg hin zu einem organizationalen Burnout?“ Stark orientiert hatte ich mich bei der Erarbeitung des Selbstreflexionsbogens an

Organizational Burnout

Das versteckte Phänomen ausgebrannter Organisationen von Gustav Greve

Er schlägt auch Maßnahmen zur Prävention vor. Dabei geht es v.a. um Themen wie Vertrauen, Respekt und Toleranz. Vielleicht helfen auch Ihnen die nachfolgenden Fragen als eine Art Selbstcheck weiter:

  • Gibt es bei uns wertschöpfende Beteiligungsprozesse und wie können wir die Mitarbeiterbeteiligung steigern?
  • Wie ernsthaft bemühen wir uns um das Einbeziehen aller Beschäftigten bei kulturrelevanten Fragestellungen?
    Dies unterstützt die mentale Bindung des Mitarbeiters zum Arbeitgeber.
  • Wie gehen wir mit Fehlern und den daraus entstehenden Lernchancen auf organisationaler Ebene um und wie achtsam sind wir im Umgang mit Fehlern?
  • Gehen wir bei unbeabsichtigten und nachvollziehbaren Fehlern hilfreich miteinander um und bekommen Mitarbeiter/-innen die Chance, es selbst wieder in Ordnung zu bringen?
  • Wie gehen wir mit Lässigkeit, Faulheit oder Dummheit als Ursache für wiederholte Fehler um?
    Hier ist ein konsequenter, grenzziehender und strenger Umgang gefordert.
  • Ermutigen wir Mitarbeiter/-innen durch Kompetenzübertragung?
    Es geht darum wirkliche Entscheidungskompetenzen im angemessenen Rahmen zu übertragen.
  • Wie stark ist unser Umgang miteinander von gegenseitiger Wertschätzung geprägt?
    Anerkennung und Wertschätzung der Person des Mitarbeiters durch andere Mitarbeiter und Führungskräfte sind wesentliche Elemente zur Prävention von organisationalem Burnout!

Bei meinem Kunden war eine erste Maßnahme, die Not-to-do-Liste für 2019 anzulegen. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Sie zum Thema organisationale Erschöpfung bereits gemacht haben und welche Tipps Sie für den Umgang damit haben.


Kommentare

  • Prof. Dr. Heinz Siebenbrock

    Klingt nach „Change mich am Arsch: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter und sich selbst kaputtverändern, 23. Februar 2018, von Axel Koch und Myriam Bechtoldt“.

  • redakteur Post author

    Wenn ich Koch und Bechtoldt richtig verstanden habe, beschreiben und beklagen diese den „Change-Wahnsinn“. Lösungsansätze sind weniger das Anliegen der Autoren.
    Für mich ist v.a. interessant, Optionen zu erarbeiten, wie ich mit der belastenden Situation umgehen kann.
    Ich hatte bei dem geschilderten Betrieb den Eindruck, dass es schwer fällt solche schleichenden Erschöpfungsprozesse wahrzunehmen und wie ich damit umgehen kann. Ich hoffe, mein Blogbeitrag liefert dazu erste Anregungen.
    Haben Sie Erfahrungen mit einer Not-to-do-Liste?

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