17.10.2017

Persönliche Weiterentwicklung

Ist verlieren nicht einfach nur blöd und frustig?

In Niederlagen das Potenzial zur persönlichen Weiterentwicklung entdecken.

Normalerweise ist der Fall klar: Eine Wahlentscheidung steht an, man hat sich gut vorbereitet, die Ergebnisse der vergangenen Periode können sich sehen lassen und die Signale der Wähler/Mitglieder sind in der Summe positiv – auch wenn es einzelne skeptische Tendenzen gibt. Bei der Wahl zeigt sich dann die Überraschung: Die Mitglieder entscheiden sich für einen vollständigen Neubeginn, ein Mindestmaß an Kontinuität ist nicht gewünscht. Die Überraschung ist groß, der Kandidat bekommt nach der verlorenen Wahl unerwartet breiten Zuspruch, doch im Resümée bleibt: nicht gewählt heißt verloren! Die Suche nach Erklärungen und Schuldigen beginnt. Im Coaching ist erst einmal Wunden lecken angezeigt; die Niederlage braucht ihre Zeit zur Verarbeitung.

Und was jetzt? Der passende Moment für ein Zitat, das mir vor kurzem auf LinkedIn begegnet ist: „I never lose… either I win or I learn“ (The Upside of Failure). Mein Coachee war im ersten Moment nicht erfreut, über Lerneffekte aus dieser Erfahrung nachdenken zu sollen. Vielmehr wäre ihm die Bestätigung recht gewesen, dass er es schon richtig gemacht hatte und auch eigentlich nichts hätte besser machen können. Die Mitglieder, die die Wahl hatten, hätten es leicht besser tun können.

In Anlehnung an Kurt Schumachers Empfehlung „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit“ empfahl ich meinem Coachee zwei Schritte:

1.     Was ist genau geschehen?

2.     Was sind meine Keylearnings daraus?

Klare Situationsanalyse als Voraussetzung zur Weiterentwicklung

Im Schritt eins hilft das nüchterne Beschreiben, auch wenn die Emotionen dabei immer wieder ihre Wellen schlagen mögen. Die Emotionen sind letztendlich das Ergebnis des individuellen Bewertungsergebnisses und kein Bestandteil des Geschehens an sich.

Mit den eigenen Emotionen in Verbindung bleiben und aus einer ggf. schmerzhaften Situationsanalyse lernen

Im Schritt zwei wird es spannend.

–     Welche Mechanismen waren wirksam und wie werde ich in Zukunft mit ihnen umgehen?

–     Wo habe ich Dinge nicht exakt genug wahrgenommen und wie kann mir das in Zukunft gelingen?

–     Welche Risiken habe in anders eingeschätzt, als sich diese bewahrheitet haben und wie verbessere ich meine Prognosequalität in der Zukunft?

–     Was hat sich bewährt und sollte ich auch in Zukunft genau wieder so handhaben?

–     Welche Dinge sind mir dieses Mal nicht aufgefallen und könnten auch in der Zukunft einen blinden Fleck bilden? Welche Ideen habe ich mit diesen zukünftigen blinden Flecken doch produktiv umzugehen?

Das Coachinggespräch war intensiv und wir setzen es fort. Die Kunst dabei: Mit den eigenen Emotionen in Verbindung bleiben und trotzdem Offenheit für die eigenen Lernprozesse bewahren. Eine Grundhaltung, die Erlebnisse nicht nur zu überstandenen Situationen, sondern zu Lernerfahrungen macht.


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