POPCORN-Manifest: Organisationen verstehen und gestalten – 33 Popcorns – Systemtheorie, aufgepoppt für Führung und Beratung von Andrea Capol (2026)

Systemtheorie für Führung und Beratung

Die Autorin Andrea Capol, Beraterin für Organisationsentwicklung und Führung, hat sich viel vorgenommen. Sie möchte die Systemtheorie zugänglich machen. Dazu greift sie auf Mais als Metapher zurück. Mais ist gehaltvoll, nährend und macht ganze Völker satt. Allerdings liegt er manchmal schwer im Magen. Doch wenn Mais auf Hitze trifft, baut sich Spannung auf – bis es plötzlich poppt. Genau dieses ‚Aufpoppen‘ möchte die Autorin mit ihren Impulsen zur Systemtheorie erreichen. Dazu lädt sie ihre Leserinnen und Leser mit 33 Popcorns ein. Jedes Popcorn folgt dabei derselben Struktur: Theorie – Praxis – Bild.

Klaus Eidenschink merkt dazu in seinem Vorwort an, dass eigentlich nur diejenigen weiterlesen sollten, die das Unmögliche leben. Seine These: „Wer selbst denkt – gemeint ist: Denkerisch kaut und verdaut -, der kann eben auch in Form von Popcorns Denkerische Nahrung aufgreifen.“ (S. 9).

Für alle, die dieses gedankliche Kauen und das Herumbeißen auf einer These lieben, stellt das Buch mit Sicherheit eine Inspiration dar.

Was, wenn Entscheidungen nicht mitgetragen werden?

Am Beispiel des Themas „Entscheidungen umsetzen“ lässt sich der Aufbau der 33 Popcorns sehr schön veranschaulichen. Auf etwa einer halben Seite Theorie bringt die Autorin ihre Überlegungen auf den Punkt: „eine Entscheidung, die niemand trägt, bleibt folgenlos“ (S. 65). Anschließend folgen inspirierende Fragen für die Praxis.

Zum Beispiel:

  • Wie zeigt sich, dass unklar ist, wie hier entschieden wird?
  • Was passiert hier, wenn keine Einigung zustande kommt?
  • Woran zeigt sich, dass andere die Entscheidung mittragen – oder dass sie folgenlos bleibt?

Auf diese Fragen aus der Praxis folgt ein weiterer Impuls: „Wenn eine Entscheidung nicht getragen wird: fragt nicht, wer nicht mitzieht. Fragt: welche Perspektiven fehlen – und was wurde zu früh entschieden?“ (S. 66).

Systemische Koans – Denkimpulse, die Gewohntes hinterfragen

Mich erinnern diese Popcorns an Koans aus dem Zen-Buddhismus. Ein Kōan ist eine kurze, meist rätselhafte Frage, Aussage oder Geschichte aus dem Zen-Buddhismus. Ein Kōan soll nicht allein durch logisches Denken „gelöst“ werden, sondern gewohnte Denkmuster unterbrechen und neue Einsichten ermöglichen.

Wer Lust auf diese geistige Übung hat, dem sei dieser Band ans Herz gelegt.

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