15.01.2016

Sich als Führungskraft besser kennenlernen

Der gute Umgang mit Emotionen, den eigenen und denen meines Gegenübers, sind für Mourlane das Grundanliegen. Den Zielkorridor von emotional Leading definiert er folgendermaßen: „Es geht um die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen und die anderer Menschen bewusst wahrzunehmen, ihre Sprache zu verstehen und Emotionen danach zu beurteilen, ob ihre Stärke der Situation angemessen ist und sie uns, so wie es eigentlich sein sollte, gute oder schlechte Ratgeber sind. Außerdem geht es um die Fähigkeit, unsere eigenen Emotionen und die anderer Menschen beeinflussen zu können“ (S. 25).

Emotional Leading

Um dieses Versprechen einzulösen stellt Mourlane zu Beginn die fünf Grundbedürfnisse des Menschen dar:

  • Das Bedürfnis nach Bindung
  • Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Das Bedürfnis nah Lustgewinn und Unlustvermeidung
  • Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz
  • Das Bedürfnis nach Kohärenz, Stimmigkeit in Anlehnung an Grawe dar und wie diese psychologisch begründet sind.

Im zweiten Kapitel beschreibt er das Phänomen von Gefühlen und Emotionen. Hier regt insbesondere die Darstellung seines Sechs-Kreise-Modells (S. 77) zur Reflexion auf den eigenen Umgang mit Emotionen an. Ist das Verhältnis zwischen einer Situation und der daraus entstehenden Emotion ´akkurat´ oder ´inakkurat´? D.h. ist die Größe meiner Emotion der Größe der Situation angemessen und falls nicht, wie gehe ich damit um?

Im dritten Kapitel wendet er Emotional Leading auf die Selbstführung an. Als Wege zur eigenen Weiterentwicklung empfiehlt er:

  1. Analyse-Tools verwenden
  2. Die Komfortzone erweitern
  3. Akkurat denken und entsprechend akkurat führen.

Analyse-Tools stellt er auf den letzten 40 Seiten des Buches äußerst großzügig zur Verfügung – vielen Dank – und die Empfehlung, diese wirklich selbst auszuprobieren. Unter der Überschrift „Komfortzone erweitern“ hätte ich mir auch vorstellen können, den Begriff der Lernzone einzuführen und darüber zu sprechen, wie ich selbst mich häufiger in meiner persönlichen Lernzone aufhalten kann – ohne gleich in meine Panikzone zu geraten. „Akkurat denken“ enthält schlicht die Aufforderung, angemessen zu denken und den Gefühlen keinen unkontrollierten Einfluss auf unser Denken zuzugestehen. Für meinen Geschmack ist dieses Kapitel zu episch geraten und die Praxisbeispiele ziehen sich etwas, deshalb im Endeffekt nur 4 von 5 möglichen Sternen.

Im vierten Kapitel „Emotional Leading: Mitarbeiter“ ist das Ziel eindeutig: „Es reicht (für die Führungskraft), die fünf Grundbedürfnisse zu kennen und sich regelmäßig die Frage zu stellen, ob sie mit ihrem Verhalten adäquat Einfluss auf sie nimmt und wie sie dies, sollte es ihr notwendig erscheinen, verstärkt ihrem Arbeitsbereich und der Unternehmenskultur anpassen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger“ (S. 137). Das Ergebnis ist dabei eindeutig: „Ein emotionales und somit auf die psychologische Grundbedürfnisse des Menschen ausgerichtetes Führungsverhalten steht in engem positivem Zusammenhang mit der Einschätzung, eine gute Führungskraft zu sein, der psychischen und körperlichen Gesundheit und der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern“ (S 142). D.h. emotional Leading trägt zur Akzeptanz bei den Mitarbeitern/-innen bei.

Mourlane gibt über ca. 40 Seiten Tipps und Hilfestellungen, wie emotional Leading in den verschiedenen Handlungssituationen einer Führungskraft realisiert werden kann. Auf jeden Fall eine Einladung zum eigenen Erproben. Die Praxisbeispiele lenken manchmal etwas von den konkreten Tipps und dem selbst Ausprobieren etwas ab.

Mein Resümée: fachlich hat das Werk Hand und Fuß, die Fragebögen und Übungen lohnen sich auszuprobieren, im Schreibstil könnte Mourlane etwas kompakter sein und das Dargestellte mit kürzeren Beispielen illustrieren. Fazit: auf jeden Fall einen Kauf wert!

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