25.02.2014

Wirken Gesundheitsprämien?

In einem Geschäftsbericht stand zu lesen: „Mit dieser Prämie bedankte sich das Unternehmen bei den Mitarbeitern, die im vergangen Jahr wenige Fehltage hatten.“

Wie ist die Prämie gestaffelt: bei fünf Fehltagen und weniger bekommt der Mitarbeiter € 50,-. Sind es nur maximal drei, dann € 100,-. Hatte er im vergangenen Jahr überhaupt keine Fehltage, dann bekommt er € 150. Schafft es ein Mitarbeiter, mehrere Jahre hintereinander keine Fehltage aufzuweisen, dann wird es finanziell wirklich interessant. Bei zwei Jahren ohne Fehltage erhöht sich die Prämie auf € 350,-; bei drei Jahren auf € 850,-; mit vier aufeinanderfolgenden Jahren kommt ein Mitarbeiter auf € 1.650,- und bei den maximal ausgelobten fünf aufeinanderfolgenden Jahren auf € 2.150,-!

Wenn durch ein solches Prämiensystem der Anreiz gegeben ist, nicht jeden Arztbesuch in die Arbeitszeit zu legen oder ggf. Gleitzeit zu nutzen, dann kann es sicherlich zu einer höheren innerbetrieblichen Zufriedenheit beitragen, da keine Anlässe für Umorganisation und Vertretungen geschaffen werden. Sollte aber ein solches Prämiensystem dazu führen, dass Mitarbeiter mit einer aufziehenden Grippe sich doch freitags zur Arbeit schleppen, in der Hoffnung das Wochenende zum Auskurieren nutzen zu können, damit die Fehltagequote nicht „vermasselt“ wird, dann kann der Effekt gehörig nach hinten losgehen. Angefangen von der Infektionsgefahr über auftretende Fehler durch nicht ausreichende Konzentrationsfähigkeit bis hin zur längerdauernden Erkrankung aufgrund unterbundener Regeneration. Studien haben ergeben, dass Präsentismus langfristig gesehen sich negativ auf die Gesundheit auswirken und zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit zu einem späteren Zeitpunkt führen kann (vgl. Präsentismus – Ein Review zum Stand der Forschung, S. 71ff).

Meine Erfahrung: Direktes und wertschätzendes Feedback an die Mitarbeiter/-innen bringt deutlich mehr als Prämiensysteme. Lieber fordere ich eine Kollegin auf nach Hause zu gehen, als das Risiko von nachteiligen Nebeneffekten in Kauf zu nehmen. Von der Wertschätzung und Fürsorge bezüglich der Person einmal ganz abgesehen.


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