Im Coaching von Führungskräften erlebe ich oft eine hohe Bereitschaft, sich in die Situation eines Mitarbeiters hineinzuversetzen, der von einer unangenehmen Entscheidung betroffen ist. Wie kann ich als Führungskraft harte Entscheidungen treffen und kommunizieren und gleichzeitig damit für alle Beteiligten wie Betroffenen gut umgehen?
Empathie – eine wichtige Fähigkeit von Führungskräften
Anders als die These von Elon Musk, der im Herbst 2025 Empathie als fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation bezeichnet hat, sind Empathie und Mitgefühl selbstverständlich eine wesentliche Voraussetzung für gute Führung. Wie sollte ich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut in Kontakt kommen, wenn ich den emotionalen Anteil des Kontakts ignorieren würde? Um wirklich mit meinem Gegenüber in Kontakt zu kommen, sind Einfühlungsvermögen und Mitgefühl vielmehr eine wesentliche Grundlage (www.loquenz.de/empathie-und-fuehrung-2025).
Mitgefühl bei harten Entscheidungen?
Auf einem anderen Blatt steht die Frage, wie ich als Führungskraft mit meinem Mitgefühl gegenüber meinen Mitarbeitenden umgehe, wenn meine Entscheidung bei ihnen eine herbe Enttäuschung auslöst. Und ich weiß genau, dass ich diese Enttäuschung oder auch diesen Schock als Führungskraft nicht vermeiden kann…
Den Blick weiten
Schon bei der Entscheidungsfindung ist es selbstverständlich, dass ich nicht nur den einzelnen Mitarbeiter oder die einzelne Mitarbeiterin im Blick habe, sondern meine Entscheidung an den Folgen für das Team beziehungsweise für die gesamte betroffene Mitarbeiterschaft orientiere. Trotz dieses weiten Blicks in der Vorbereitung der Entscheidung sitzt mir im konkreten Gespräch der einzelne Mitarbeiter oder die einzelne Mitarbeiterin gegenüber. Ich weiß, dass diese Entscheidung notwendig ist, und gleichzeitig schrecke ich vor ihren Auswirkungen auf diesen einzelnen Menschen zurück.
Die Empathie weiten
Im Coaching versuche ich, Führungskräfte auf diese emotional herausfordernde Situation vorzubereiten, indem wir die Stärke ihrer Empathie bewusst nutzen. Wir betrachten die Folgen dieser für den einzelnen Mitarbeiter harten Entscheidung und ihre mögliche Wirkung auf die anderen Mitarbeitenden. Wie würden sie reagieren, wenn ich zum Beispiel einen “Trittbrettfahrer“ aus dem Team entferne? Wir versuchen, die Emotionen der anderen von meiner Entscheidung betroffenen Mitarbeitenden genauso sorgfältig wahrzunehmen, wie es jede Führungskraft bei dem Mitarbeiter tun würde, dem sie im Gespräch die Entlassung mitteilt.
Was wären die Folgen meines Nicht-Handelns?
Eine weitere Perspektive, Empathie als Stärke der Führungskraft zu nutzen, besteht darin, sehr sorgfältig auf die Emotionen zu schauen, die entstehen würden, wenn ich die Entscheidung nicht träfe. Wie würden sich die anderen Mitarbeitenden fühlen, wenn ich den Handlungsbedarf als Führungskraft ignorieren würde? Wie würden diese Mitarbeitenden mit ihren enttäuschten Erwartungen an mich umgehen? Wie könnten sie eine Situation meistern, in der eigentlich mein Handeln als Führungskraft gefragt wäre?
Der Umgang mit Emotionen als dauerhaftes Lernfeld für Führungskräfte
Letztlich bleibt der Umgang mit Empathie und Emotionen ein dauerhaftes Lernfeld für Führungskräfte. Es ist ein Lernfeld für die eigene Persönlichkeitsentwicklung und zugleich eines, in dem sich Perfektion wohl nie erreichen lässt.
Für alle, die sich mit diesem Lernfeld selbst zum Beispiel über die Fragestellung „Wie kann ich als Führungskraft harte Entscheidungen treffen und klar kommunizieren?“ widmen möchten, hier noch der Hinweis auf einen etwas älteren Buchtipp von Vivian Dittmar: Gefühle & Emotionen – Eine Gebrauchsanweisung: Wie emotionale Intelligenz entsteht (www.loquenz.de/gefuehle-und-emotionen). Durch die zahlreichen Übungen zur Selbstbeobachtung und Selbsterforschung wird diese Lernreise gut zugänglich.