Gutes Entscheiden als Führungskraft – Affect Labeling zur Vorbereitung von Entscheidungen nutzen

Immer wieder fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen, weil die Emotionen im Raum so stark sind, dass übliche Methoden, zum Beispiel eine Entscheidungsmatrix, nicht wirksam angewendet werden können. Eine Möglichkeit, mit Emotionen produktiv umzugehen, ist das Affect Labeling.

Häufig wird Affect Labeling als Methode des Selbstmanagements genutzt, um mit emotional belastenden Situationen produktiv umzugehen und das persönliche Wohlempfinden zu verbessern (https://www.loquenz.de/affect-labeling). Wenn es mir gelingt, meine Emotionen in Worte zu fassen (z.B.: „Ich bin gerade ziemlich angespannt / verletzt / wütend“), kann ich sie in der Regel eher regulieren, statt sie zu verstärken.

Entscheidungssituationen – gute Vorbereitung als Führungskraft

Bei Entscheidungssituationen in Teams liegt die Herausforderung meist weniger in der reinen Sachentscheidung. Denn als Führungskräfte verfügen wir in der Regel über die erforderlichen Entscheidungstechniken und -verfahren. Herausfordernd für Führungskräfte ist vielmehr das emotionale Klima im Team, das die anstehende Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Dazu gehören unterschwellige Spannungen, unausgesprochene Bedenken, möglicher Gruppendruck oder auch Macht- und Statusdynamiken. Hinzu kommt oft eine gewisse Nervosität, wenn Veränderungen anstehen.

Der Einsatz von Affect Labeling kann hier für Führungskräfte einen doppelten Nutzen haben. Zum einen unterstützt es die Selbstregulation der eigenen Emotionen, denn nur Führungskräfte, die emotional klar sind, können auch in Entscheidungssituationen produktiv führen. Zum anderen lädt es die Teammitglieder dazu ein, ihre persönlichen emotionalen Reaktionen zu ordnen und sich dadurch in die Lage zu versetzen, sachlichere Beiträge zu leisten.

Die Führungskraft als Vorbild beim Affect Labeling

In angespannten Entscheidungssituationen im Team kann bereits eine beiläufige Anmerkung der Führungskraft wie „Ich bin gerade unruhig, wenn ich an die anstehende Entscheidung denke“ oder „Ich bin gestresst, da diese Entscheidung jetzt getroffen werden muss“ dazu beitragen, den „Elefanten im Raum“ zu benennen und die Teammitglieder einzuladen, ihre eigenen Emotionen vor der Entscheidung zu thematisieren.

Affect Labeling – Techniken für die Teamführung

Vielen Führungskräften ist wahrscheinlich bereits bekannt, dass ein kurzer „Emotionen-Check-in“ (geschätzte Dauer: 60–90 Sekunden) eine bewährte Technik ist, um Affect Labeling auch in Teams durchzuführen.

Indem die Führungskraft vor einer wichtigen Entscheidung einen kurzen „Emotionen-Check-in“ ankündigt, öffnet sie den Raum dafür, dass diese Emotionen da sein dürfen. Z.B.: „Bevor wir entscheiden: Welche Stimmung oder welches Gefühl bringt ihr gerade mit in die Entscheidung? Ein Wort reicht.“

Diese Aufforderung wirkt neutral, schnell umsetzbar und nicht therapiehaft. Die Teammitglieder sagen dann z. B.: angespannt, neugierig, skeptisch, gestresst oder zuversichtlich. Die Wirkung ist in der Regel sofort wahrnehmbar: Die Anspannung im Raum sinkt, jedes Teammitglied ist auch mit seinen Emotionen präsent, und ich bekomme als Führungskraft ein Gefühl für das Klima im Team im Hinblick auf die anstehende Entscheidung. Sollten wesentliche Entscheidungsblockaden vorhanden sein, können sie bereits zu einem frühen Zeitpunkt sichtbar werden.

Bedenken sichtbar machen, bevor entschieden wird

Vor Entscheidungen lösen Bedenken der beteiligten Personen oft negative Emotionen im Hinblick auf die anstehende Entscheidung aus. Wenn ich als Führungskraft dazu einlade, diese Bedenken zu äußern, verbessert sich häufig auch das Gefühl im Hinblick auf die anstehende Entscheidung.

Indem ich als Führungskraft also explizit zum Benennen der Bedenken auffordere („Bevor wir entscheiden: Welche Bedenken sind gerade im Raum? Lasst uns die kurz benennen, ohne sie zu diskutieren.“), diese visualisiere und vor allem nicht bewerte, sondern zunächst nur sammle, verringert sich die emotionale Ladung. So können die Bedenken als sachliche Argumente in die anstehende Entscheidung einfließen.

Und: Selbstklärung vor Sachklärung

Im Coaching schilderte mir eine Bereichsleiterin, dass sie in Jour fixes häufig „aus der Haut fahre“.
Für diese Situation haben wir – sozusagen als ‚Affect Labeling-Experiment‘ für sie – erarbeitet, dass sie in den nächsten vier Wochen in kritischen Momenten zuerst einen Satz über sich formuliert, bevor sie über die Sache spricht. Etwa in folgender Form: „Ich merke, ich werde ärgerlich, weil sich das dritte Mal etwas verschiebt, was wir gemeinsam zugesagt hatten.“

Allein diese kleine Schleife führte dazu, dass sie selbst ruhiger blieb und die Mitarbeitenden klarer verstanden, worum es ihr wirklich ging.

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