10.04.2015

Im Kreis zu vertieften Ergebnissen

Im englischsprachigen Original ist „A leader in every chair“ das Motto von Christina Baldwin und Ann Linnea. Mit diesem Motto machen sie den Anspruch der Methode The Circle Way“ deutlich. Jede/r, der/die an einer Diskussionsrunde teilnimmt, sollte die eigene Verantwortung für seinen Grad der Partizipation (z.B. aktive Teilnahme, Mitdenken, Beobachten, Distanz halten) übernehmen. Die Methode the circle way“ verspricht dafür entscheidende Hilfestellung.

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Der Untertitel der deutschen Ausgabe, stellt weniger die Anforderung an den/die Einzelne/n sondern mehr den Effekt in den Vordergrund: Gespräche und Meetings inspirierend, schöpferisch und effektiv gestalten. Diesen Effekt kann ich mir nach der Lektüre diese gelungenen Bandes gut vorstellen.

Eindrücklich wird in der Einleitung die Entstehungssituation beschrieben. Es handelte sich um ein fünftägiges Schreibseminar im Juli 1991. Fünf Tage erscheinen als reichlich Zeit. In der Methode ist dieser großzügige Umgang mit der Ressource Zeit auch immer wieder festzustellen. Und genau dieser – nur auf den ersten Blick – großzügige Umgang mit der zur Verfügung stehenden Zeit, scheint mir eine wesentliche Besonderheit des Circle zu sein. Denn erst dadurch erfahren die Dinge die Gelegenheit, vertieft verstanden zu werden und dadurch ergibt sich auch für die aus einem Gespräch entstehenden Lösungen ein häufig vertieftes Commitment.

Das Konzept an sich ist rasch skizziert. Die Sitzordnung im Kreis soll das Fokussieren auf das in der Mitte stehende Thema erleichtern. Für die gute Gestaltung der Gesprächsrunde werden drei Rollen vergeben (Gastgeber, Prozesshüter und Schreiber). Es geht um eine vertrauens- und respektvolle Gesprächs- und Diskussionsform, bei der das gegenseitige Verstehen eine zentrale Rolle spielt. Erst auf das wirklich vertiefte Zuhören erfolgt die Formulierung des eigenen Gesprächsbeitrages. Das Ergebnis einer solchen Vorgehensweise sind häufig bessere, dauerhaftere oder sehr überraschende Lösungen, die im klassischen Pro-/Contra-Stil häufig nicht erreicht werden.

Die Inspiration beim Lesen wird durch zahlreiche Beispiele aus der Anwendung des Kreises angeregt. Indem sie grafisch vom Text getrennt sind, machen sie beim Lesen Lust darauf, herauszubekommen, wie es in dem beschriebenen Praxisfall weitergehen mag. Sozusagen mit Suchtfaktor auf mehr! Mich hat die Lektüre der deutschen Ausgabe angeregt, einmal an einem Kreisprozess teilzunehmen und diese Wirkung selbst zu erleben – ich bin gespannt.

Für wen weniger die O-Töne der Entwicklerinnen entscheidend sind, sondern wer einfach eine gute, rezeptartige Einführung in den Circle sucht, dem sei auch die Lernlandkarte Nr. 9 von Neuland empfohlen. Da finden sich alle wesentlichen Facetten dieser Arbeitsmethode mit für uns passenden Ergänzungen.

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