Den eigenen Körper verstehen – und auf ihn hören
Das Buch fasziniert! Der Autorin gelingt es mit ihrem witzigen und zugleich einfühlsamen Sprachstil, die verschiedensten Facetten des menschlichen Körpers so zu beschreiben, dass sie für Leserinnen und Leser leicht verständlich werden. Und nicht nur das: Die Beschreibungen liefern auch wertvolle Inspirationen für den Umgang mit dem eigenen Körper.
In meiner Beratungsarbeit mit Führungskräften, aber auch darüber hinaus, begegnet mir häufig ein zwiespältiges Verhältnis zum eigenen Körper. Für die einen geht es um eine immer weitergehende Optimierung, für die anderen eher darum, den eigenen Körper überhaupt erst einmal richtig wahrzunehmen. Für beide Gruppen bieten die rund 300 Buchseiten zahlreiche Anregungen.
Die Zielsetzung von Giulia Enders: Ureinwohnerin oder Ureinwohner unseres Selbst zu werden. Ein Ziel, das mindestens ein ganzes Menschenleben ausfüllen kann. Doch warum nicht beispielsweise mit der Lektüre dieses Buches damit anfangen?
Atmen hilft
Unter der Überschrift „Müdis Ratschlag“ leitet die Autorin das Thema Lunge und Atmung ein. Der Ratschlag ihrer Großmutter lautete: „Wer Durst hat, trinkt. Wem’s schwer ist, atmet.“
Und nicht nur das: Ein guter Umgang mit Sauerstoff, unserer Lebensenergie, wird auch durch fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag gefördert, die helfen können, Sauerstoffradikale im Zaum zu halten. Mit genau solchen unerwarteten Zusammenhängen überrascht das Buch immer wieder. Das gilt für die Kapitel über das Immunsystem ebenso wie für die über die Haut und die Muskeln – und schließlich für das abschließende Kapitel über das Gehirn.
Kleine, überschaubare Häppchen
Ein weiterer Vorteil des Buches ist die Gliederung in zahlreiche kurze, überschaubare Abschnitte. Sie laden dazu ein, je nach Interessenlage und Tagesform im Buch hin und her zu springen. Auch beim Lesen einzelner Abschnitte gelingt es, immer wieder neue Anregungen mitzunehmen.
Der Körper ist nicht das Einzige
Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin das Thema „Organisch“ im letzten Absatz ihres Buches einordnet. Sie schreibt:
„Niemals sollte eine Antwort aus dem Körper die einzige sein. Und niemals sollten wir Körperliches bei unseren Antworten völlig vergessen. Es ist der Grund, warum wir existieren, und an seinen Bedürfnissen richten wir uns immer wieder aus. Darauf basieren wir atmenden, wachsamen, liebenden, schuftenden Wesen. Verwoben. Millionen Jahre alt und immer wieder neu geboren. Organisch.“ (S. 306).
