26.01.2016

Standardprozesse: „Ich dachte, meine Kollegin hat das so gemeint…“

Der Klassiker: Ich bekomme eine kurze Mail mit einem Vorschlag zur Freigabe. Eigentlich braucht es für diesen Vorgang keine Freigabe, weil es ein Standardprozess ist.

Bevor ich mich frage, wofür die junge Kollegin die Freigabe erbeten hat (Ist der Standard nicht eindeutig genug formuliert? Ist sie nicht ausreichend präzise eingearbeitet worden?…) spreche ich sie direkt an und frage nach, wofür sie für einen Standardprozess eine zusätzliche Freigabe möchte. Ihre Antwort: „Ich dachte das hätte sich verändert und es wäre jetzt so, dass die zusätzliche Freigabe erwünscht sei.“ Nachdem ich verstanden hatte, dass sich aus ihrer Perspektive der Standardprozess verändert hatte, konnte ich das ursprünglich vereinbarte Vorgehen wieder in Kraft setzen.

Was mich an diesem Beispiel fasziniert: Es existieren explizite Vereinbarungen, die auf dem Hintergrund ausführlicher Reflexion im Team entstanden sind. Sobald eine kleine Irritation eintritt, wird nicht das explizit Vereinbarte zur Diskussion gestellt, sondern implizit verändert („ich dachte…“). In der Regel ohne den Prozesspartner davon in Kenntnis zu setzen, dass ich mich nicht mehr an den vereinbarten Standard halte. Die Wirkung: Der Prozesspartner läuft ins Messer! Dabei wäre die Lösung so einfach. Ich bräuchte nur meine veränderten inneren Grundannahmen aussprechen und damit den Kollegen eine Chance geben, bei der Optimierung mitzuwirken oder ein kleines Verbesserungsprojekt anzustoßen…


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