11.02.2014

Suchtkranke Mitarbeiter/-innen – Krankheitsbild enttabuisieren

Wie spreche ich einen offensichtlich suchterkrankten Mitarbeiter an? Was mache ich, wenn eine Mitarbeiterin starke Verhaltensveränderungen zeigt und ich mir nicht sicher bin, ob sie suchterkrankt ist? So oder so ähnlich sind die Fragen formuliert, die im Erfahrungsaustausch von Führungskräften immer wieder auftauchen.

Die Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit sprechen für sich. Man geht davon aus, „dass bis zu 10 Prozent aller Beschäftigten Suchtmittel in missbräuchlicher Weise konsumieren“ (s. Drogen- und Suchtbericht 2012, S. 58). Für Führungskräfte bedeutet das, dass es in ihrem Führungsalltag ein Thema ist, das auch immer wieder in ihr Führungshandeln einzubinden ist.

Was kann ich als Führungskraft tun? Ansprechen, ansprechen, ansprechen!

Häufig sind es die kleinen Verhaltensänderungen des Mitarbeiters, die einem als Führungskraft zwar auffallen, wir uns aber fragen, ob sich das Ansprechen wirklich lohnt? Ob da nicht zuviel Wirbel um eine Sache gemacht wird? Z.B. kommt ein bisher sehr zuverlässiger Mitarbeiter ab und zu etwas zu spät. Soll ich es gleich ansprechen, oder erst abwarten dass sich das Verhalten (mehrmals) wiederholt? Eine Mitarbeiterin wirkt etwas fahrig. Hat sie nur einen schlechten Tag oder steckt etwas Ernstes dahinter?

Im Erfahrungsaustausch mit den Führungskräften waren wir uns einig: Nicht lange abwarten, vielleicht einmal darüber schlafen und im Zweifelsfall ansprechen. Nämlich genau das ansprechen, was uns als Verhaltensänderung aufgefallen ist; mit der Sorge um diesen einen Mitarbeiter. Häufig ist ein Mitarbeiter froh, wenn er über die Problematik auch mit seinem Vorgesetzten sprechen kann und dieser auch in der Lage ist die Sucht als Erkrankung zu sehen. Was auch immer wieder passiert, dass der Mitarbeiter die Verhaltensveränderung an sich selbst noch nicht realisiert hat und durch die Ansprache und die Sichtweise des Vorgesetzten quasi wachgerüttelt wird. Wenn es gut läuft noch in der Phase wach gerüttelt wird, in der eine ungünstige Entwicklung sich noch nicht zu einer Suchterkrankung manifestiert hat und deshalb noch leichter vom Mitarbeiter positiv beeinflusst werden kann.

Als Resümée der verschiedenen Runden zum Umgang mit Suchterkrankungen in diesem Herbst stellte sich das Motto heraus: Augenfälliges (Verhaltensänderungen, Erscheinungsbild, verschlechterte Arbeitsqualität…) ansprechen und mit dem Mitarbeiter das Gespräch über die eigene Wahrnehmung als Führungskraft suchen.


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