14.02.2014

Wie Knappheit die Bandbreite der eigenen Wahrnehmung verengt, wie damit umgehen und warum Reserven so wichtig sind.

Sendhil Mullainathan und Eldar Shafir, die beiden Autoren, versuchen mit Knappheit „den Grundakkord vieler sozialer Probleme in den verschiedensten Kulturen und unter allen möglichen ökonomischen Verhältnissen und politischen Systemen“ (S. 13) zu ergründen.

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Ihre Leitfrage: „Könnte Knappheit eine ganz bestimmte übergreifende Logik aufweisen, eine Logik, die bei all den unterschiedlichen Hintergründen gilt?“ (S. 13).

Um es vorab festzuhalten: Dies ist den Autoren mit dem vorliegenden Buch außerordentlich gut gelungen!

In drei Teilen beschreiben sie, wie:
Teil 1: Knappheit unser Denken beherrscht,
Teil 2: Knappheit Knappheit erzeugt und
Teil 3: Wie wir mit Knappheit in der Zukunft umgehen können.

Wie beherrscht Knappheit unser Denken?

Wir kennen es alle. Sobald eine Deadline bei einer Aufgabe vorhanden ist und diese naht, fokussieren wir uns auf diese Aufgabe. Der Nachteil dieser Fokussierung besteht in der eingeschränkten Bandbreite der Wahrnehmung für andere Dinge um uns herum (Tunnelblick). Sei es aufgrund von Betriebsblindheit oder durch Ausblenden. Die Autoren nennen das Ergebnis von Knappheit Tunnelsteuer, d.h. als Ergebnis unserer Fokussierung auf z.B. die Deadline einer Aufgabe, gehen uns andere Dinge „durch die Lappen“, die wir dann nach Abgabetermin der ersten Aufgabe zum Teil teuer nachholen müssen.

Anhand zahlreicher Experimente beschreiben die Autoren, wie durch Knappheit unsere Bandbreite der Wahrnehmung leidet und dadurch unser Leben erschwert wird. Für mich interessant: Diese Prozesse entstehen nicht nur bei finanzieller Knappheit oder bei Hunger, sondern auch bei Knappheiten an Konzentration (z.B. durch Lärmbelastung oder Störungen), bei Knappheiten bezüglich Zeit oder auch bezüglich Kalorien.

Wie erzeugt Knappheit weitere Knappheit?

Sind wir erst einmal in der Knappheitsspirale gefangen, verstärkt sich der Effekt der Knappheit immer weiter. Durch die eingeschränkte Bandbreite tendieren wir zum Kompromissdenken. Dadurch entstehen häufig Lösungen, die im weiteren Verlauf wieder für Knappheit sorgen. Dadurch wird die Bandbreite weiter eingeengt usw.

Der Weg aus dieser Spirale heraus ist das Anlegen von Reserven. Diese helfen uns die Bandbreite wieder zu erweitern und ein weiterer Nebeneffekt ist: Es entsteht Raum für mögliche Fehler und vermeidet den Wiedereinstieg in diese Spirale. Wie funktioniert das? Da Fehler bei Knappheit der Ressourcen aufgrund ihrer hohen Kosten unbedingt vermieden werden müssen, erzeugt in dieser Situation ein Fehler sofort eine erneute Verengung der Brandbreite – der „beste“ Einstieg in die Spirale der Knappheit. Die Autoren sprechen deshalb auch von der „Knappheitsfalle“ (S. 145-170).

Wie kann ich für knappe Zeiten planen?

Indem ich für den Aufbau von Bandbreite Sorge trage. D.h.: Reserven aufbauen – und diese unbedingt halten! Und wieder gilt: Reserven an Geld, Nahrungsmittel, Kraft, Zeit… Wobei wichtig ist, Reserven nicht mit Überfluss zu verwechseln. Leider wird dieser Zusammenhang von den Autoren nur auf knapp drei Seiten ausgeführt (S. 253-256). Hier wäre es reizvoll gewesen, etwas weiter in die Tiefe zu gehen.

Für mich haben die Autoren ihr Versprechen aus dem Untertitel von Knappheit „was es mit uns macht, wenn wir zu wenig haben“ hervorragend eingelöst. Ihre Stärke ist es, am Beispiel von Armut und was in dieser Situation getan werden kann, das Thema Knappheit eindrucksvoll zu entfalten. Immer wieder gehen Mullainathan und Shafir auch auf das Thema Zeitarmut ein und deuten Entfaltungsmöglichkeiten für Mitarbeiter und Führungskräfte an. Hier regt das Buch zum eigenständigen Weiterdenken an!

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