18.02.2014

Selbstverständliche Dienstleistung und alltäglicher Wahnsinn der ständigen Erreichbarkeit?

An einem Dienstagabend im ICE von Kassel nach Frankfurt am Main. Es ist 19.45 Uhr, hinter mir klingelt ein Handy, der Eigner meldet sich und spricht sehr vertraut – offensichtlich mit einem Kunden.

Hier einige Gesprächsfetzen im Auszug, der Tonfall großzügig und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit:

  • „Klar bin ich noch am Arbeiten, wir können gerne telefonieren – sitze hier im ICE nach Frankfurt und habe gerade die Datei offen…“
  • „Herr XY ist heute auf einer Führungskräfteveranstaltung in Bremen. Den sollten Sie jetzt gut erreichen.“
  • „Frau AB ist sicherlich noch im Homeoffice erreichbar. Versuchen Sie es einfach.“

Übrigens: Irgendetwas Konkretes schien in diesem Telefonat keine Rolle zu spielen.

Meine Gedanken, während ich mir meinen Salat schmecken lasse: Wie selbstverständlich nehmen wir es in Kauf bzw. bieten unserem Gegenüber an, dass wir ständig erreichbar sind? Klar mag es immer Situationen geben, in denen es gut und wünschenswert ist, auch zu Randzeiten erreichbar zu sein. Doch muss dies unser Idealbild sein? Geht das nicht einfach nur auf Kosten unserer Regeneration? Und der Output dieser Erreichbarkeit ist häufig fraglich…

Ich habe mir angewöhnt, mein Handy in den Flugmodus umzustellen oder ganz abzustellen. Dann bin ich – nach meiner Regeneration – wieder in hoher Qualität für meine Kunden und Kollegen ansprechbar. Damit scheint mir allen Beteiligten mehr gedient zu sein, als einfach immer nur erreichbar zu sein.


Kommentieren

  • Kategorien

  • Blog via E-Mail abonnieren

    Geben Sie ihre E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.