19.02.2019

Profit oder Werte?

Eine irreführende Ambivalenz!

Immer wieder taucht in der Beratung von Managementteams die Frage auf, ob wir uns Werte leisten können und was uns diese wert sein dürfen oder sollen. M.E. ist die Frage in ihrer Ambivalenz falsch gestellt. Es darf nicht um ein „entweder-oder“ gehen. Als Management muss ich vielmehr die Frage beantworten: Wie gestalten wir, mit welchen Werten, unser unternehmerisches Handeln?

Auch im Arbeitskreis „ethisches Führen“, bei dem ich im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements im Bundesvorstand des BKU engagiert bin, bewegt uns die Frage, welche Werte für die Führungsarbeit in unseren Betrieben und Organisationen wichtig sind; und welchen Beitrag wir zum aktiven Ausbilden und produktiven Umgang mit diesen Werten leisten können. Unter dem Beitrag, „Das Verhältnis von Religion und Management“, wird diese Diskussion aktuell aufgegriffen. Was mich dabei bewegt ist die Frage, wie ich in meinem Betrieb eine gute Reflexion zum Thema Werte und wertgeleitetes Handeln erzeuge.

Gibt es die richtigen Werte?

Wird das Thema Werte auf die Agenda gesetzt, tauchen häufig Fragen nach den „richtigen“ Werten auf.

  • Welche sind dies in unserem Handlungsrahmen?
  • Wie sind diese zu definieren? Was tun wir für Ihre Einhaltung?
  • Wie reagieren wir bei Abweichungen/Verfehlungen?

Meine Erfahrung: es lohnt sich, einen deutlichen Schritt früher in die Reflexion einzusteigen. Werte sind etwas zutiefst Menschliches, sie prägen mich, auch in meinem Arbeitsverhalten. Der erste Schritt könnte darin bestehen, sich die eigenen Werte und Wertprägungen bewusst zu machen. In welchem Kontext habe ich diese Werte kennengelernt? Welche Verhaltensweisen damals daraus abgeleitet? Und welche Verhaltensweisen kann ich für meinen aktuellen Arbeitskontext daraus ableiten? Ein zweiter Schritt könnte darin bestehen, die Werte meiner Kollegen/-innen, Mitarbeiter/-innen und Führungskräfte kennenzulernen. Sehr schnell werde ich dabei entdecken, dass diese in unterschiedlichsten Situationen geprägt wurden und sich logischerweise daraus unterschiedliche Verhaltensweisen für das betriebliche Miteinander ableiten.

Jetzt könnte es im dritten Schritt richtig spannend werden:

  • Welche Schussfolgerungen leiten wir aus dieser Unterschiedlichkeit ab?
  • Bestehen die Unterschiede auf der Ebene der Verhaltensweisen oder auf der zugrunde liegenden Ebene der Werte?
  • Wie und wo ergänzen sich diese?
  • Wo stehen sie einander entgegen?
  • Wo sollten wir uns als Unternehmen klar entscheiden?
  • Und wo ist es zielführender die Spannung auszuhalten?

Mein Erleben als Berater: in der Regel ist jedes Verhalten von zugrunde liegenden Werten getrieben. Mal ist es der Person bewusst, mal eher weniger bewusst. Die Reflexion und das Gespräch darüber tragen entscheidend dazu bei, diese Zusammenhänge ins Bewusstsein zu heben. Letztendlich geht es um Vertrauen.

Vertrauen entscheidet

Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel stellt es unter katholisch.de wie folgt dar: „Es ist Aufgabe jedes Managers, Vertrauen zu schaffen in das eigene Unternehmen. Vertrauen schaffen Sie nur, wenn Sie berechenbar sind und Ihre Handlungen auf einem ethischen Fundament aufbauen.“ Diesen unerschrockenen Austausch über unsere Fundamente zu schaffen, dazu trage ich als Berater und als Führungskraft gerne bei!

Und für alle, die weitere Anregungen für das konkrete Tun suchen, bietet Schulz von Thun z.B. das Wertequadrat an. Hartwig Hansen liefert dazu noch die passende Visualisierung.


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