25.09.2015

Systemisches Coaching

Der Autor ist ein erfahrener Schreiber.

Ehemals Chefredakteur der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie und Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Coaching-Magazins. Da sind die Erwartungen als Leser naturgemäß hoch und Webers definiert sich diese wie folgt selbst:

– Systemisches Denken erläutern,

– die wichtigsten psychologischen Basisthemen und –konzepte darstellen auf Coaching anwenden und

– das ganze innerhalb einer einfachen didaktischen Struktur, die eigene Adaptionen ermöglicht (vgl. im Vorwort S. VII).

Wie geht Webers nun vor? Sehr systematisch. Von der Definition, über die Darstellung des systemischen Ansatzes zu den einzelnen Themengebieten des Coachings (Haltung und Ethik, Interventionsebenen, Designs, Arbeitsbeziehung und Selbstreflexion). Die vier abschließenden Kapitel (Systemische Methodik, Wirksamkeitsfokus als roter Faden, Evaluierung und Implementierung im Unternehmen) runden das Werk wohltuend ab. Selbstverständlich gibt er auch weiterführende Hinweise auf die zahlreichen Wissensplattformen im Internet. Bei diesem Aufbau fühlt man sich stark an den Aufbau einer Vorlesung, aus der heraus ja auch dieses Buch entstanden ist, erinnert – doch bei dem Präzisionsgrad der Inhalte ist dies als Kompliment zu verstehen.

Da das Buch inhaltlich sehr dicht gestaltet ist, seien hier nur ausgewählte Punkte im Detail besprochen.

Das Kapitel „Einführung ins Coaching“ macht neugierig auf mehr. Hier wird kein Buchstabe verschenkt, sondern die Entstehung von Coaching kurz und knapp dargestellt. Auch die Darstellung des Systemischen Ansatzes im Kapitel zwei ist ähnlich knapp gehalten. Die Darstellung von Webers macht auf jeden Fall deutlich, dass es sich zu diesem Thema ausführlich einzulesen gilt. Ein Teil der wichtigsten Autoren ist in den Literaturhinweisen genannt. Auf Autoren, die systemische Grundlagenarbeit geleistet haben, wie z.B. Luhmann, verzichtet er. Das Kapitel drei über „Haltung und Ethik im Coaching“ kann sich als state of the art bezeichnen. Wenn Coaching „als Koproduktion von Coach und Klienten verstanden wird“ (S. 39) erklärt sich auch vieles von selbst. Mit dem Kapitel vier „Interventionsebenen im Coaching“ stellt Webers nachvollziehbar dar, dass „der Einsatz eines Werkzeugs oder einer Methode niemals voraussetzungslos ist“ (S. 41). Im Kapitel fünf (Design im Coaching) hat mir die Thematisierung von Coaching im Führungskontext gut gefallen. Coaching hat seinen Platz in einer transformationalen Führungskultur, bei transaktionaler Führung ist eher Training „on the job“ gefragt. Auch seine Kritik an zahlreichen vorhandenen und simplifizierenden Ablaufmodellen ist mehr als berechtigt. Im Kapitel sechs (Arbeitsbeziehung) steht zu Recht der Coachingkontrakt im Mittelpunkt. Auch hier wird in der Praxis häufig zu oberflächlich gearbeitet. Der Kontrapunkt von Webers passt hier sehr gut.

Das Kapitel sieben reißt zum Thema Selbstreflexion etliche Facetten an – bei diesem Thema sollte sich der engagierte Leser unbedingt anhand der genannten Literatur weiter vertiefen. Ein guter Coach zeichnet sich gerade durch sein hohes Maß an Selbstreflexion aus! Das Kapitel acht zur Systemischen Methodik ist definitiv zu knapp. Das Kapitel neun „Wirksamkeitsfokus als roter Faden“ könnte ich mir für Kollegen als sehr bereichernd vorstellen und lehrt uns Demut in der Ursachenzuschreibung von Transfererfolgen. Das Kapitel zehn ist als Hinweis zu verstehen, dass Evaluierung nicht nur für den Klienten hilfreich ist, sondern auch einen Beitrag dazu leistet, die Koproduktion Coaching gegenüber dem Kontext zu kommunizieren. Das abschließende Kapitel 11 (Implementierung im Unternehmen) fokussiert wohltuend auf den Dreieckskontrakt und die Schnittstelle zur Organisationsentwicklung. In der Praxis wird Coaching häufig als eine reine Vergabe von Coachingmandaten gehandhabt. Der Nutzen für die Organisationsentwicklung kann dadurch nicht entstehen. Webers steuert hier berechtigt dagegen!

Mit jeder Seite der Lektüre wird deutlich, dass jeder einzelne Punkt eine deutlich breitere Darstellung verdient hätte. Dies war (leider) nicht das Anliegen des Autors und ist wahrscheinlich auch nicht leistbar. Eine Kritik am Titel bleibt jedoch: Systemisches Coaching weckt die Erwartung, dass der systemische Ansatz in der gleichen Gewichtung wie Coaching dargestellt wird. Die psychologischen Grundlagen (so der Untertitel) sind beim Thema Coaching sehr stimmig eingelöst, beim Stichwort „systemisch“ wäre – natürlich auf Kosten eines stärkeren Umfanges – mehr möglich gewesen.

Meines Erachtens ist Webers ein Werk gelungen, welches

  1. Coaching im Allgemeinen gut und überschaubar darstellt und
  2. deutlich macht, welchen Mehrwert dabei der systemische Ansatz beiträgt.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesenswert!

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