10.02.2015

Warum erzeugt Deskription eigentlich so häufig Verteidigungserklärungen?

Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im kirchlichen Kontext taucht das Phänomen immer wieder auf: Sobald ein Gesprächsteilnehmer etwas beschreibt, was nicht ideal gelaufen ist (es muss nicht einmal ein offensichtlicher Fehler sein), hebt das Gegenüber sehr rasch (fast ins Wort fallend) zu einer ausführlichen Beschreibung an, wie diese Situation entstanden ist, wer alles daran beteiligt war, warum es nicht besser hatte laufen können und das dieses Ergebnis auch nicht wirklich beabsichtigt war.

Das Ganze dauert dann einige Minuten. Daran anschließend äußert der ursprüngliche Sprecher sein Verständnis für das Geschehene und erklärt, dass er/sie das auch nicht als Vorwurf verstanden wissen wollte, um dann seine Ideen und Anregungen zu thematisieren, wie denn jetzt damit weiter umgegangen werden sollte.

Die kommunikative Unschärfe im Hintergrund liegt häufig darin, dass Person A eine Situationsbeschreibung in das Gespräch einbringt. Person B versteht diese gleich als Vorwurf und verteidigt sich, noch bevor Person A mitteilen kann, wofür sie diese Situationsbeschreibung eingebracht hat.

In unserem ehrenamtlichen Gremium hatten wir aufgrund dieser Mechanik eine anregende Reflexion zur Frage, wie wir unsere Dialoge gestalten. Reicht Zuhören aus bzw. hören wir überhaupt unserem Gegenüber zu ohne gleich bei uns eine parallele Interpretation des Gesagten zu erzeugen? Vielleicht würde es sich lohnen nicht nur zuzuhören, sondern bewusst hinzuhören? Wie viel Zeit sollte ich in die Situationsbeschreibung investieren ohne mich bzw. mein Gegenüber sofort gegenseitig in Lösungsversuche zu drängen?

Unsere Reflexion haben wir nicht zu einem Abschluss gebracht – wir beobachten und experimentieren damit weiter. Fühlen Sie sich eingeladen!

Mit herzlichem Gruß

Stephan Teuber


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