27.06.2017

Aus Fehlern lernen

Von Stephan Teuber

Umgang mit Fehlern bei der Luftfahrt als Beispiel

Im Umgang mit Fehlern heißt es dort: „Pilotenfehler sind nicht entscheidend“

Fehlertoleranz? Nein, sondern der aktive Umgang mit Fehlern entscheidet. Weg von einer fehlerfreundlichen Kultur, hin zu einer fehlertransparenten Kultur mit schnellen Lernschleifen.

Die Untersuchungen von Flugzeugunglücken bringen es an den Tag. Fehler sind (leider) etwas Alltägliches. 100% Fehlervermeidung ist ein unrealistisches Ziel und führt eher dazu, dass Handlungslähmung eintritt. Offensichtlich liegt Wilhelm Busch mit seinem Zitat „Durch Fehler wird man klug, drum ist einer nicht genug“ richtig.

Wie geht das? Prof. Jan Hagen drückt es folgendermaßen aus: „Man muss die Mitarbeiter dazu bringen, ganz offen über Dinge zu sprechen, die nicht laufen. Das Problem ist nämlich nicht der Fehler, sondern der nicht entdeckte Fehler. Aus einem nicht entdeckten Fehler kann niemand lernen, er kann immer wieder passieren. Das gilt für Unternehmen genauso wie in der Luftfahrt“. Da es nicht gerade eine menschliche Stärke ist, Fehler zuzugeben, wird das bei Flugzeugbesatzungen einmal im Jahr gezielt trainiert. Im so genannten „Crew-Ressource-Management-Training. Dort wird gelernt, völlig ohne Schuldzuweisung über Probleme zu sprechen, immer faktenorientiert“ >>Zum Artikel<<

Wie eine solch offene Atmosphäre geschaffen werden kann, dafür gibt es zahlreich Instrumente aus dem Bereich der Führungspsychologie. Ob es öffentliche KVP-Reviews in wohlwollender Atmosphäre oder „Aus-Fehlern-Lernen-Berichte“ im Intranet sind. Es geht darum, wie die Mitarbeiter/-innen ihre Verantwortung offensiv wahrnehmen können und sich nicht aus Angst vor Fehlern verstecken müssen (http://www.loquenz.de/eigenverantwortung-lohnt-und-bewaehrt-sich).

Neben nachvollziehbarer Argumentation und gutem Training entsprechender Verhaltensweisen – hier lohnt sich eine Recherche unter dem Stichwort „Crew Resource Management (CRM)“ gerät dabei immer wieder die Vorbildfunktion der Führungskraft in den Fokus. Hier geht es um Kompetenz und Konsequenz, auch im Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten oder Fehlertoleranzen bei sehr geschätzten Mitarbeitern/-innen. Nur wenn die Führungskraft diesen wohlwollenden aber auch konsequenten Umgang mit dem Lehrpotenzial, das hinter den Fehlern liegt, selbst auf Dauer pflegt, wird sich die Offenheit und Transparenz im Team entwickeln. Man könnte fast sagen, dass das Hinwegtäuschen über und Vertuschen von Fehlern ein klares Signal für Entwicklungserfordernisse auf Seiten der Führungskraft und ihres Führungsverhaltens und Selbstmanagement darstellt. Siehe auch: das-tun-entscheidet.

Fehlerfreundlichkeit = aus Fehlern Lernchancen realisieren

Mein Fazit:

Fehler aktiv als willkommene Lernchance begreifen und diese Lernchance mit transparent und Engagement gemeinsam mit den Mitarbeiter/-innen realisieren. Auf dass der identische Fehler nicht von jedem einzelnen/-r Mitarbeiter/-in wiederholt zu werden braucht, um den Lerneffekt zu realisieren. Insofern würde ich das Zitat von Wilhelm Busch gerne fortsetzen: „Durch Fehler wird man klug, drum ist einer nicht genug“. Doch bitte nicht den identischen Fehler wiederholen, sondern aufgrund der Lerneffekte neue Fehler realisieren, die neue Lernchancen für die Organisation bieten.


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