Stärkenorientierter Generationenübergang im Familienunternehmen

Unter dem Stichwort „Generationenübergang im Unternehmen“ finden sich bei der Google-Suche zahlreiche Checklisten, Dos and Don’ts, Erfahrungsberichte und Warnhinweise. Der Generationenübergang scheint ein Thema zu sein, das leider häufig nicht wirklich zufriedenstellend für alle Beteiligten gelingt. Woran kann das liegen? Und v.a. was kann ich tun, damit der Übergang wahrscheinlicher gelingt?

Hoffentlich kommen unsere Nachkommen nicht nach uns! (Heimito Nollé)

Das Zitat des Journalisten und preisgekrönten Aphorismen-Autors (https://www.heimitonolle.ch/167/biografie) scheint auf den ersten Blick übertrieben. Auf den zweiten Blick lohnt sich aber das vertiefte Nachdenken … Und wenn man dieses Zitat noch etwas dreht, dann wird eine häufige Grunderfahrung der abgebenden Generation im Familienbetrieb deutlich.

Ein Unternehmen im Familienbesitz zu führen, erfordert die volle Aufmerksamkeit

Wer schon einmal ein Unternehmen gegründet hat oder in ein Unternehmen im Familienbesitz als Mitinhaber eingestiegen ist, kennt das: Die Mitarbeitenden fühlen sich, gemeinsam mit der Besitzerfamilie, als Teil einer größeren Unternehmensfamilie. Insbesondere, wenn das Unternehmen bereits in der zweiten oder gar dritten Generation existiert. Das bedeutet, dass ich mich in schwierigen Situationen, nicht so leicht von der Arbeit distanzieren kann. Sie „verfolgt“ mich z.T. auch am Essenstisch. Deute ich dieses Zitat „Hoffentlich kommen unsere Nachkommen nicht nach uns!“ auf dem Hintergrund dieser Erfahrung, dann wünsche ich als abgebender Unternehmer oder abgebende Unternehmerin, dass meine Kinder als nachfolgende Unternehmergeneration, nicht zu intensiv in diesem Verpflichtungsgefüge des Generationenüberganges hin- und hergerissen werden.

Im Generationenübergang ’nicht Loslassen können‘ hat auch damit zu tun, dass ich dem Gegenüber schwierige Erfahrungen ersparen möchte

Das immer wieder vorkommende ’nicht Loslassen können‘ hat viel damit zu tun, dass ich dem Gegenüber schwierige Erfahrungen ersparen möchte.
Häufig ist gerade die oben beschriebene eigene nervenaufreibende persönliche Erfahrung der Grund, dass die abgebende Generation bei der Nachfolgeregelung zögert. Möchte ich das wirklich meinen Kindern zumuten?

Generationenübergang im Betrieb Mutter & Sohn im Gespräch
Generationenübergang im Betrieb Mutter & Sohn im Gespräch

Gute Fahrpläne für die Unternehmensübergabe fördern das Sicherheitsgefühl bei allen Beteiligten

Das Tolle an den zahlreichen Checklisten zum Thema Unternehmensübergabe ist, dass sie das Sicherheitsgefühl bei allen Beteiligten fördern. Frei nach dem Motto: wenn wir die Checklisten gewissenhaft abarbeiten, dann wird das Risiko deutlich reduziert, dass größere Fehler passen. Beispiele für diese Schritte liefert z.B. die IHK (https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/3692812/529ea947d6af1c65be7a434102596fbf/generationswechsel-data.pdf) und auch wir selbst sind seit Jahren Anhänger, solch gut strukturierter Vorgehensweisen. So sind z.B. Einzel-Assessments für potenzielle Nachfolger*innen auf jeden Fall in den Blick zu nehmen (http://www.loquenz.de/fuehrungskraefte/einzelassessment/ und http://www.loquenz.de/fuehrungskraefte/potenzialanalyse/).

Gute Checklisten erzeugen noch keine Begeisterung

Das Abarbeiten von guten Checklisten wirkt beruhigend; alle Beteiligten können sich sicher sein, dass nichts Wichtiges vergessen wurde. Doch leider entsteht daraus nur selten Begeisterung für den Prozess. Dass sich Begeisterung für das gemeinsame Vorhaben des Generationenüberganges und -wechsels einstellt, erlebe ich in der Begleitung von Unternehmensnachfolgen in der Regel erst dann, wenn die übergebende Generation auch auf der emotionalen Ebene spürt, dass die übernehmende Generation der Situation gewachsen ist.
Ein sehr wirkungsvolles Hilfsmittel für diese Erfahrung ist es, wenn die übernehmende Generation die Übergabe mit ihren spezifischen Stärken anpacken kann. Können die individuellen Stärken eingesetzt werden, dann können auch außergewöhnliche Leistungen und Ergebnisse gelingen.

Auch bei der Unternehmensnachfolge: Stärken stärken stärkt!

Ja, es gilt nicht nur in der Führungskräfteentwicklung, sondern auch gerade bei der Unternehmensnachfolge, dass Stärken zu stärken die Organisation und ihre Akteure stärkt! Deshalb setzen wir in der Begleitung eines Generationenüberganges nicht nur die oben genannten Potenzial- und Assessment-Verfahren ein, sondern immer auch stärken-basierte Testverfahren aus der Positiven Psychologie (http://www.loquenz.de/staerken-staerker-staerken-oder-staerken-staerken-staerkt/). Wenn sich die Stärken bei den Nachfolgerinnen und Nachfolgern entfalten, dann entsteht für die abgebenden Unternehmerinnen und Unternehmer eine solche Sicherheit, dass sie „den Jungen“ auch zutrauen, unerwartete Schwierigkeiten zu meistern und sie als Chancen für individuelles oder strukturelles Wachstum zu erkennen und zu gestalten.

Wer sich noch detaillierter für die Chancen und Grenzen eines stärkenorientierten Generationenüberganges im Betrieb interessiert, ist herzlich zu meinem Impuls im Rahmen des 10. Nachfolgetages der IHK Stuttgart, am 27.10.23, um 16.00 Uhr (http://www.loquenz.de/familiennachfolge-wie-geht-es-erfolgreich-weiter/) eingeladen.

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