28.06.2016

Überzeugungsarbeit mit Unterbrechungen

Letztens auf der Fahrt im ICE von Köln nach Frankfurt. Ein Mitfahrer direkt vor mir telefoniert mit einem Mitarbeiter, den er gerne für ein Projekt zur Mitarbeit überzeugen möchte. Eigentlich macht er alles richtig. Er schildert sein Anliegen; fragt seinen Gesprächspartner nach seinen Motiven und Einwänden; fragt nach was er denn an seiner Stelle bei der Anwerbung des letzten Mitarbeiters (hier nennt er Vor- und Zuname) anders hätte machen können und stellt auch noch sehr elegant die Frage – falls der Gesprächspartner denn Zeit hätte – ob er denn Lust hätte und mitwirken wollte…

Das Ganze hört sich an wie ein Lehraudio aus einem Kommunikationstraining. Was der Herr vor mir am Telefon leider nicht so richtig wahrzunehmen scheint: sein Telefonat wird insgesamt fünfmal aufgrund der Funklöcher unterbrochen. Auch die irritierten Blicke der Mitfahrer oder dass er zwischendurch aufstehen muss, um seinen Nebensitzer durchzulassen, scheinen ihn nicht zu stören.

Was ich mich frage: Auf der Verhaltensebene hört sich das Gespräch gut an – doch ist Verständigung tatsächlich möglich, wenn zumindest einer der Gesprächspartner so massiv parallel mit anderen Dingen beschäftigt ist? Mich erinnert es an das produktive Zusammenwirken von Haltung und Verhalten. Ist die eine Ebene ohne die andere aktiv, wird das Potenzial des Zusammenwirkens der beiden Ebenen schlichtweg verschenkt.

Rein operativ scheint das Gespräch ein produktiven Abschluss zu finden: „Gut. Lassen Sie uns morgen über die Details telefonieren.“…


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