03.07.2018

Zentralismus – er lebt!

Onboarding, Prozessabläufe und eine klitzekleine Rahmenbedingung des Personalvorstandes

Im Gespräch mit einem befreundeten Personalleiter kam das Gespräch auf Onboarding. Eigentlich kein allzu schwieriges Unterfangen, gibt es doch dazu schon zahlreiche Erfahrungen und Angebote. Woran sollte es also hängen, dass die Idee seit über einem Jahr nicht in die Umsetzung kommt? Eine klitzekleine Rahmenbedingung des Personalvorstandes. Sein Wunsch: ein einziger Prozessablauf für alle Standorte.

Spannung zwischen Zentrale und Peripherie

„Mein“ Personalleiter ist nur für 2500 Mitarbeiter/-innen an über 40 Standorten zuständig. Seine beiden Kolleginnen decken in diesem Konzern mit insgesamt knapp 9000 Mitarbeiter/-innen die anderen beiden Regionen ab. Schnell wird klar, dass aufgrund der äußerst unterschiedlichen Standortgröße von 5 bis über 1000 Mitarbeiter/-innen die Onboardingprozesse nicht an allen Standorten gleich laufen können. Schon alleine aufgrund der Ressourcenlage und der vor Ort erforderlichen Notwendigkeiten. Z.B. macht die Aufgabe, sich einen Mentor für die Einarbeitungsphase zu suchen bzw. zu stellen bei 5 Mitarbeitern/-innen wenig Sinn, bei über 1000 hingegen sehr wohl.

Standardisierung ohne Wertbeitrag

Auf meine Frage: „Wofür ist der standardisierte Onboardingprozess über alle Standorte hinweg vom Personalvorstand gewünscht?“ antwortete mein Gegenüber mit einem Schmunzeln. „Wahrscheinlich möchte es der Geschäftsführer, er ist Spezialist für klare Standards.“ O.k.
Die Frage nach dem „Warum“ ist damit beantwortet. Es geht um einen vermuteten Wunsch des Geschäftsführers.
Ob dieser Wunsch auch validiert ist, blieb offen. Die Frage nach dem „Wofür“ blieb ebenfalls ohne Antwort.

Storytelling (hier am Bsp. Onboarding) kann die Augen öffnen

In unserem Austausch kamen wir noch auf eine interessante Metapher (Storytelling), abgeleitet vom Wort Onboarding im Sinne von „an Bord kommen“. Was wäre eigentlich, wenn der Konzern eine Reederei wäre. Mal´ angenommen die Reederei hätte Tankschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Containerriesen und Fischkutter. Würde da jemand auf die Idee kommen, den Onboardingprozess nach einem zentral abgestimmten Standard zu strukturieren? Ich stelle mir vor, wie auf dem Fischkutter in die Begrüßung von Gästen eingeführt wird, auf den Kreuzfahrtschiffen in den Sinn des Rauchverbots, auf den Tankschiffen das Thema Ladungssicherung und bei den Containerriesen das sichere und effiziente an Bord bringen des Fanggutes… Ich habe noch die ganze Rückfahrt über geschmunzelt.


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